Hau den Sämi
31/8/2008 | Roman
Es ist spannend, wie die Medien das Thema Schweizer Armee in den letzten Wochen behandeln. Der Fall Nef und die Kander haben eien Welle an kritischen Artikeln produziert, wobei spannenderweise so getan wird, als seien die Probleme erst in den letzten Wochen entstanden…
Natürlich ist die Armee 21 ein Desaster, aber dies nur deshalb, weil die Reform zu wenig weit ging und noch zu viel Armee 95 drin steckt. Und die hat ja bekanntlichermassen Sämi’s Vorgänger “Freude-herrscht”-Dölf verursacht.
Das Hauptproblem der Schweizer Armee ist nicht ein baldiger Ex-Chef mit Strafanzeigen, sondern schlicht und ergreifend Langeweile. Die Mitglieder einer Milizarmee fordern nunmal, dass wenn sie schon dutzende von Diensttagen zu leisten haben, dass diese wenigstens halbwegs interessant und sinnvoll auszugestalten sind. Und genau dies ist nicht der Fall.
“Warte zum Sekle und sekle zum Warte” (frei übersetzt: Warten bis zum rumrennen und rumrennen um nachher zu warten) ist ein alter Spruch im Militär, aber wenn ich mir meine Erfahrungen und die meiner Kollegen anschaue, dann ist es eher “Warte zum Warte”. Man wartet auf das Material, dass nicht da ist. Man wartet auf Transporte, die nicht kommen wollen. Man wartet auf Aufträge, weil keine da sind für den viel zu grossen Bestand an Männern. Man wartet auf Entscheidungen, die niemand treffen will. Etc.
Wenn wir z.B. den Unfall auf der Kander betrachten, war genau dies der Fall: Die Soldaten sollten zur Euro 2008 eingesetzt sein, aber sogar das VBS gibt zu, dass von den zu diesem Anlass aufgebotenen 10′614 Angehörige der Armee maximal 6′833 eingesetzt wurden. Wenn man nun als Soldat weiss, wie unglaublich ineffizient die Armee mit Personalressourcen umgeht (“man hat’s ja”), weiss man, dass für den Auftrag problemlos auch 2000 Leute gereicht hätten.
Aber unter diesen Umständen ist es doch nur verständlich, dass der Kompaniekommandant den sich langweilenden Truppen etwas Abwechslung – in Form einer Flussfahrt – bieten will. Dass diese heere Absicht mit Toten geendet hat, ist eine Tragödie. Aber Mitschuld an dem Desaster tragen meines Erachtens klar die Planer in den Stäben, die überhaupt dermassen zu viele Personen aufbieten. Und auch die Politiker, die sich erfolgreich gegen die massiv zu grossen Personenbestände wehren.
Die Schweiz braucht keine Armee mit 120′000 Aktiven. Die Schweiz braucht auch keine Armee mit 80′000 Aktiven. 30′000 bis 60′000 Mann sind mehr als genug. Das Milizprinzip müsste man für diese Form der Armee nicht aufgeben, denn den Bestand kann man simpel kürzen, in dem man die Diensttage der Nicht-Offiziere zusammenstreicht. Das gäbe dann auch mehr Durchdiener und damit eine jüngere, motiviertere Truppe, die durchaus mit Übungen und Aufträgen ausgelastet werden könnte.
Wenn entsprechend die Infrastruktur angepasst würde – sprich massiv verkleinert, dafür modernisiert – wäre man wieder auf dem Weg zur Einsatzfähigkeit, was ja aktuell nicht gegeben ist.
EDIT: Neben den bereits verlinkten Artikeln, möcht ich noch auf folgenden des Blick’s aufmerksam machen, der die Lage der Armee durchaus passend zusammenfasst: Unsere Schrott-Armee
Country & Urban Camouflage
18/8/2008 | Roman
Ich arme arme Sau muss ja wieder mal 3 Wochen in den Militärdienst. Ins Zürcher Weinland, wie depremierend ist das denn. Ok, ist ja ne schöne Gegend, wenn man Weinbauer ist. Oder Schweinezüchter. Als urban orientierter jung dynamischer Zürcher (das wären dann 4 Kreuze im Bullshit Bingo) bin ich da ein wenig falsch. Mal guggen, der letzte Dienst war ja relativ relaxt. Vielleicht gewöhn ich mich ja an den Kuhgestank.
Aber wenn wir schon beim Thema sind, möcht ich etwas in Sachen Kunst und Militär – ja das gibt’s! – vorstellen: Urban Camouflage:
Kuschel-Soldaten
2/12/2007 | Roman
Diese Woche war ich als fleissiger 20Minuten-Leser arg genervt. Armeewaffe hin, Armeewaffe her. Natürlich ist es eine tragische Sache um die junge 16jährige, die in Höngg von einem schweizer Soldaten erschossen wurde und die Angehörigen haben mein Beileid.Nichtsdestotrotz halte ich die Diskussion für scheinheilig. Von beiden Seiten. Ich find es zynisch, wenn mir die Armeegegner die Armee-Welt erklären wollen, selbst aber augenscheinlich nie in der RS oder in der Armee waren. Einige Beispiele:
- Es wird immer vom “Rekruten” geredet, was aber grundlegend falsch ist. Der Täter hatte die RS erfolgreich absolviert und ist damit Soldat, kein Rekrut. Ein kleiner, aber doch grundlegender Unterschied.
- Es wird dargestellt, als hätte der Täter die Munition “gestohlen”. Blödsinn. Er hat sie mitlaufen lassen. Denn zwar wird nach jedem Schiessen in der Armee schön das Gesetz zitiert, aber ob man an dem jeweiligen Schiessen nun 300 Schuss oder nur 290 in den Stand geballert hat, das kontrolliert niemand.
Aber auch die Armee-Befürworter machen sich lächerlich. Es wird von “härteren” Massnahmen und Selektionen bei der Aushebung geredet. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass bereits heute zu wenig Rekruten pro Jahr in ausgehoben werden, um den Soll-Bestand selbst mittelfristig zu halten. Und es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass die Motivation, in der Schweizer Armee einen Dienst zu absolvieren, sich im freien Fall nach unten befindet. Das aus gutem Grund, aber das soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden.
Aber etwas sei an dieser Stelle noch festgehalten, denn anscheinend geht es immer mehr vergessen: Soldaten lernen, Menschen zu töten. Das ist der Sinn dieser Ausbildung. Es ist nicht das Schneestampfen der WK-Soldaten auf der Jungfrau fürs Weltcup-Rennen. Aber genau das scheint der Grundtenor der Medien zu sein.
Es scheint undenkbar, was passiert ist. Bedenkt man jedoch, dass eine instabile Person 4 Monate lang auf Kartonscheiben in Menschenform schiesst, 4 Monate lang Handgranaten auf Kartonscheiben in Menschenform schiesst, 4 Monate lang zu wenig Schlaf und militärischem Brainwash abbekommt, dann ist es eher ein Wunder, dass nicht mehr passiert…
Berner Gastfreundschaft
24/11/2007 | Roman
So, der Krieg in Bern ist zu Ende. Sprich: Ich habe meine 3 Wochen Militärdienst für dieses Jahr abgesessen, glücklicherweise nicht irgendwo in der Pampa wie die letzten Jahre, sondern mitten in Bern. Und das gilt ja wenigstens als halbwegs zivilisiert.
Ernsthaft: Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Aufenthalt in Bern zurück. Bern an sich ist eine wunderschöne Stadt und bietet für Ihre “Grösse” (ca. 130′000 Einwohner) wirklich enorm viel. Und damit mein ich nicht irgendwelche “Löcher” mit armen pelzigen Tieren drin (a.k.a. Bärengraben), sondern eher die Vielfalt in Sachen Essen, Trinken, Kultur und Shopping. An sich eine Stadt, in der man es durchaus aushalten könnte..
Und jetzt kommt das berühmte “aber”: Egal wo ich hinkam in den drei Wochen, ich wurde unfreundlich empfangen. Es gab kein Cafe, keinen Laden und keine sonstige Einrichtung, wo man als Gast/ Kunde das Gefühl hatte, mehr als ein grosser Umstand und potentielle Arbeit zu sein. Sprich ich fühlte mich als Kunde nicht wie zu erhofft als König, sondern eher als Bettler.
Natürlich lag dies zu einem Teil an der Uniform, in der ich zwangsweise unterwegs war. Aber einerseits ist auch das kein Grund, jemanden dermassen unfreundlich zu behandeln und andererseits ist mein Portemonnaie unabhängig von meiner äusseren Erscheinung.
Auch Zürich ist in Sachen Kundenfreundlichkeit nicht immer über alle Zweifel erhaben, aber im Durchschnitt massiv besser. Und das ist etwas, was ich nicht erwartet hätte..
Mitleid
30/3/2006 | Roman
Ich bin ja krank. Und das geht vorbei. Andere – wie Fikret (Beitrag im Blog) – sind aktuell in der RS. Und auch das geht vorbei. Allerdings dauert es länger, man fühlt sich noch Wochen danach scheisse und vorallem schluckt man mehr Ponstan.
Irgendwie tut mir Fikret ja leid. Irgendwie. Aber ich weiss nicht recht: Hat er ne Schoggi-RS oder dreht man bei ihm einfach nur “langsam” auf? 6h Schlaf und ein 6km Marsch sind Ferienlager, nicht RS. Klar, es ist trotzdem hart, aber uns hat man endlos gefiggt in der ersten Woche. Die 4-5h Schlaf gingen ja noch knapp, aber die täglich 8 x 126 Stufen mit 30kg Gepäck, anschliessendem 300m Sprint und 30 Liegestützen auf dem Kiesplatz waren echt der Hass. Von Gefechtsübungen wie Robben auf dem Kiesplatz ganz zu schweigen oder dem 10km Marsch in der ersten Woche.
Und irgendwie gings anderen auch ned besser. Wenn ich da die Geschichten eines Freundes höre, der jeden Tag die 3,5 km zum Waffenplatz mit den 30kg gejogged ist, scheint mir Fikret echt ein Glückspilz zu sein.
Gut, ich gönns ihm. Und nächste Woche schick ich ihm ein Fresspäckli. Weiss btw jemand, wo man Bierdosen zuschweissen lassen kann? hehehe
Ich kann nichts…
5/11/2005 | Roman
.. gib mir ne Uniform. So funktioniert das im Schweizer Militär bei der Auswahl der Offiziere. Ich möcht gar nicht auf alle organisatorische Desaster des – zum glück – vergangenen WK eingehen, der letzte Tag soll exemplarisch dafür stehen.
05:00 – Tagwach – Alle werden aus dem Bett geholt
05:30 – Antrittsverlesen (war auf 06:00 angesetzt, aber man überlegt es sich halt mal schnell anders.. )
06:30 – werden in Gruppen eingeteilt
07:00 – fahren zum Zeughaus ab
Der kluge Leser wird wohl bemerken, dass man gigantische 2h für so was gebraucht hat.. aber weiter
07:30 – kommen am Zeughaus an
08:10 – unsere Gruppe ist mit der Arbeit fertig. Lass Soldaten das Zeug selber machen und es klappt.
08:30 – Die letzten Soldaten sind fertig mit der Abgabe des Materials. Wir hocken mal wieder ins Restaurant..
10:30 – erfahren, dass die Kompanie Kommandanten im Kaffee hocken und einen Rapport haben… man hätte ja die halbe Woche dafür Zeit gehabt
Das tönt ja alles recht normal. Aber am Schluss gabs noch einen sinnbefreiten “Fick”.
11:40 – Plötzlich sollen alle ihre Gewehre dabei haben (bei 50% liegts im Auto auf dem entfernten Parkplatz..)
11:55 – Alle haben die Gewehre dabei. Gehen wieder ins Restaurant
12:05 – Alle raustreten, Gewehre auf Mann. Sollen in Formation einstehen
12:07 – Formation steht
12:20 – Warten, bis Kafiklatsch des Kaders fertig ist
12:25 – Feldweibel will nun plötzlich, dass wir unsere Jacken ausziehen (es ist kalt)
12:30 – stehen alle wieder in Formation. Mit Gewehr, wie vorher befohlen
12:33 – Feldweibel bemerkt, dass wir ja Sanitäter in der Kompanie haben. Und die haben kein gewehr, sondern Pistolen. Und weil er irgendwie die Idee der “alle Einheitlich” hat, heissts: Gewehr deponieren….
12:34 – Die ersten überlegen sich, ihre Munition herauszunehmen und das Gewehr zu laden…..
12:40 – Stehen wieder in Formation
12:42 – Feldweibel will nun sogar, dass wir uns die Ärmel hochrollen (es ist kalt..)
12:45 – Achtung! befohlen
12:52 – Feldweibel hats endlich geschafft, 4 Zahlen (die Bestände) zusammen zu zählen. Ich bin stolz auf ihn. Mein Nachbar bereut, dass er das Gewehr deponiert hat..
12:53 – Achtung fertig.
13:05 – Kompanie Kommandant ist endlich fertig mit seiner Rede. Als ob die irgendjemanden interessiert hätte…
13:10 – Sold und Dienstbücher werden verteilt..
13:25 – Wir können endlich gehen…
Ein hoch aufs Militär….
Schoggi-Krieg
29/10/2005 | Roman
So, mal ein kleiner Zwischenbericht aus dem Krieg
Donnerstag
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Komme um 10 Uhr in Frutigen an. Kein Schwein weiss anscheinend, dass ich ins Militär muss. Naja, bleib trotzdem da. Befehl: Pause machen.
Daher gings am Nachmittag ins Kaffee nach Adelboden und am Abend in den Ausgang.
Freitag
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Tagwacht um 04:30. War ein bisschen früh für mich, vorallem nach dem Ausgang. Dann gings nach Bern an den Brigarde Report. Kaffee Servieren und so. Und selber viel Kaffee trinken, natürlich bezahlt
Montag
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Erfahre, dass ich die ganze Woche im “Ausbildungscamp” verbringe. Freude
Dann heissts 300 Höhenmeter ins Tal raufmarschieren und sich dort bei -5 Grad den Arsch abfrieren.. naja bis um 11, ab dann hock ich in der beheizten Hütte und mache Wache für 10h während der Rest am schiessen ist .. hehehe
Dienstag
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Wieder die 300 Höhenmeter und dann Geländelauf 7km (brauchte immerhin nur 40min), dann gings mit dem Car in den Mystery Park in Interlaken. Dann noch weitere 5h befohlener Ausgang, sprich gemütlich Fondue essen
Mittwoch
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20km Marsch auf dem Programm. Aber ich werd in die Versorgungstruppe eingeteilt, sprich Tee schöpfen. Und das heisst: Im Puch fahren. War n schöner Tag: Viel Sonne, Viel Kaffeepausen, viel Jassen. Am Abend Kompanie-Abend, sprich: Schnitzel-Pommes frites + Bier + Bier + Bier …
Donnerstag
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Wieder die 300 Höhenmeter. ABC und Sanitätsausbildung am zugrefrorenen Bach.. Naja der Arsch wurde langsam zu nem grossen Eisklumpen. Und dann wurde ich Schiesswache bis am 3 .. an der Sonne .. Am Abend dann gabs BEFOHLENES (und bezahltes) Massentrinken..
Freitag
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Riesenkater. Wieder Marsch. Und wieder Versorgungstruppe. Mehr muss ich nicht mehr sagen
Gut, ehrlich, organisiert ist das ganze recht “bescheiden”. Aber sonst recht angenehm. Hat zwar nur für 5h Schlaf pro Nacht gereicht, aber hey, man kann nicht alles haben. Auch sind wir nicht im Bunker, sondern draussen in einer Zivilschutzanlage.
Auf in den Kampf!
19/10/2005 | Roman
Man mag ja vom Militär halten, was man will. Aber sobald man mal drin ist, kommt man nicht drum rum. Und da ich mit 18 so blöd war und mich nicht mit einer dummen Ausrede aus der Verantwortung gestohlen habe, heissts halt – wie alle Jahre wieder – ACHTUNG!

Morgen gehts auf den 8 Uhr Zug Richtung Nirgendwo. Oder ins Streetcar named Desire? Oder Freiflug übers Kuckucksnest? Man(n) weiss es nicht so genau…

