Weltwoche
27/1/2009 | Roman
Ich hab’s in den Ferien mal wieder getan: Ich hab mir 2 mal die Weltwoche gekauft und fast komplett durchgeackert. Und ich hab’s genossen.
Mir ist dabei aber wieder einmal bewusst geworden, wie sehr die Weltwoche durch die meisten Menschen falsch verstanden wird, sei’s von den Abonnenten oder von den Kritikern. Die Weltwoche wird als rechtes Medium, als Kampfblatt der SVP gelobt oder gescholten. Und das ist sie definitiv nicht. Die Weltwoche lässt sich viel prägnanter durch genau ein Wort beschreiben: Dagegen.
Die Weltwoche schreibt gegen den Strom, egal um welches Thema es sich handelt. Sie will provozieren, egal ob politisch oder gesellschaftlich. Dazu einige Beispiele:
- Ausgabe 42/08: Alle Medien der Schweiz schreiben über die Wirtschaftskrise, dieWeltwoche schreibt “La crise n’existe pas”. Grosses Kino, insbesondere da am nächsten Tag der Bund der UBS knapp 70 Milliarden CHF an Staatshilfe versprach. Und da die Weltwoche zuvor in mehreren Ausgaben über die Krise berichtet hat (u.a. in Ausgabe 06/08 und Ausgabe 32/08)
- Ausgabe 36/08: Obamamanie herrscht bei Blick und Co. Die Weltwoche lobt natürlich den “störrischen Falken” McCain. Wobei sie natürlich ein halbes Jahr vorher Obama selbst eine Titelstory gegönnt hat in Ausgabe 10/08.
- Ausgabe 41/07: Mein Liebling aller “Dagegen”-Titelstories: Die Welt verreist sich das Maul über Britney Spears, die Weltwoche bringt einen mehrseitigen Artikel, in dem das Popsternchen zur Göttin hochgelobt wurde.
Diese Gratwanderung zwischen populistischer Provokation und ernsthaftem Journalismus misslingt der Weltwoche natürlich alle paar Artikel. Trotzdem macht dieser Anti-Mainstream diese Zeitung zu einer Bereicherung im Zeitschriftenregal. Sei’s nur drum, um einen anderen Blickwinkel auf einen Sachverhalt zu erhalten um sich so eine möglichst diversifizierte Meinung bilden zu können. Solange man sich natürlich bewusst ist – wie bei allen anderen Zeitungen auch! – dass Papier geduldig ist…
F***ing Ben Affleck
1/3/2008 | Roman
Das ist etwas vom lustigsten, was ich in den letzten Monaten gesehen habe: Ein rappender Matt Damon, Ben Affleck als Gigolo und Brad Pitt als Lieferboy.
Aber von Vorne: Da gibts also den Late-Night Comedian Jimmy Kimmel, der mittlerweile zwar ein Superstar ist, aber mal klein angefangen hat. Und so wollte anfangs kein A-Promi zu seiner Sendung kommen, nicht einmal Matt Damon, der ja sonst für jeden Scheiss zu haben ist. Das endete damit, dass Jimmy Kimmel seit anno 2003 seine Sendung mit dem Satz “My apologies to Matt Damon – We ran out of time!” beendet. Tja, und dann kam doch Matt Damon tatsächlich einmal in die Sendung:
Ist ja klar, dass ein Matt Damon das nicht auf sich sitzen lässt und der Konter folgte bald und ausgerechnet anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Show und ausgerechnet zusammen mit der langjährigen Freundin von Jimmy Kimmel:
Ok, bis jetzt funny as hell. Aber ein Jimmy Kimmel lässt das nicht auf sich sitzen. Und was macht man da? Man trommel halb Hollywood zusammen: Brad Pitt, Cameron Diaz, Christina Applegate, Meat Loaf, Robin Williams, Huey Lewis, Don Cheadle, Rebecca Romijn-Stamos, Pete Wentz, Dominic Monaghan, Joel und Benji Madden, Josh Groban, Perry Farrell, Lance Bass, Joan Jett, Christopher Mintz-Plasse und Dicky Barrett.. Enjoy!
Beschnittenes Mitmach-Netz
15/1/2008 | Roman
NZZ Online ist durchaus eine ernst zunehmende News-Plattform. Und seit dem letzten Relaunch ist es auch möglich, jeden Artikel zu kommentieren. Sprich: Das, was gemeinhin heute unter Web2.0 verstanden wird. User-generated Content um das Schlagwort dazu zu bringen, oder auf gut Deutsch: Mitmach-Netz.
Anscheinend scheint man aber durchaus selektiv zu sein, was “erwünschte” und “unerwünschte” Kommentare auf der Webseite sind. Sprich: Was nicht gefällt, wird entfernt.
Das aktuelle Beispiel ist die Umstellung der einsthin sehr beliebten Finanz-Plattform FinFox der NZZ. Diese wurde auf Ende Jahr abgeschaltet und durch eine weniger umfangreiche und meines Erachtens klar schlechtere Lösung ersetzt: NZZ-Finance (NZZ Ankündigung dazu). So fehlt eine Portfolio-Funktion, lediglich eine Watchlist von Kursen steht zur Verfügung. Aber das nur nebenbei.
Jetzt führte diese Umstellung dazu, dass Dutzende und Aberdutzende von Kommentare von enttäuschten Benutzern in eben oben verlinkter Ankündigung abgesetzt wurden, die ihren Missmut freien Lauf liessen. Die Kritik jedoch war anscheinend zu viel für die NZZ, denn – wie man sehen kann – ist der Kommentarzähler aktuell auf dem Stand 0.
Schade. Aber das ist eben die Kehrseite des Mitmach-Netzes: Es lässt sich schwerer kontrollieren..
Kuschel-Soldaten
2/12/2007 | Roman
Diese Woche war ich als fleissiger 20Minuten-Leser arg genervt. Armeewaffe hin, Armeewaffe her. Natürlich ist es eine tragische Sache um die junge 16jährige, die in Höngg von einem schweizer Soldaten erschossen wurde und die Angehörigen haben mein Beileid.Nichtsdestotrotz halte ich die Diskussion für scheinheilig. Von beiden Seiten. Ich find es zynisch, wenn mir die Armeegegner die Armee-Welt erklären wollen, selbst aber augenscheinlich nie in der RS oder in der Armee waren. Einige Beispiele:
- Es wird immer vom “Rekruten” geredet, was aber grundlegend falsch ist. Der Täter hatte die RS erfolgreich absolviert und ist damit Soldat, kein Rekrut. Ein kleiner, aber doch grundlegender Unterschied.
- Es wird dargestellt, als hätte der Täter die Munition “gestohlen”. Blödsinn. Er hat sie mitlaufen lassen. Denn zwar wird nach jedem Schiessen in der Armee schön das Gesetz zitiert, aber ob man an dem jeweiligen Schiessen nun 300 Schuss oder nur 290 in den Stand geballert hat, das kontrolliert niemand.
Aber auch die Armee-Befürworter machen sich lächerlich. Es wird von “härteren” Massnahmen und Selektionen bei der Aushebung geredet. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass bereits heute zu wenig Rekruten pro Jahr in ausgehoben werden, um den Soll-Bestand selbst mittelfristig zu halten. Und es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass die Motivation, in der Schweizer Armee einen Dienst zu absolvieren, sich im freien Fall nach unten befindet. Das aus gutem Grund, aber das soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden.
Aber etwas sei an dieser Stelle noch festgehalten, denn anscheinend geht es immer mehr vergessen: Soldaten lernen, Menschen zu töten. Das ist der Sinn dieser Ausbildung. Es ist nicht das Schneestampfen der WK-Soldaten auf der Jungfrau fürs Weltcup-Rennen. Aber genau das scheint der Grundtenor der Medien zu sein.
Es scheint undenkbar, was passiert ist. Bedenkt man jedoch, dass eine instabile Person 4 Monate lang auf Kartonscheiben in Menschenform schiesst, 4 Monate lang Handgranaten auf Kartonscheiben in Menschenform schiesst, 4 Monate lang zu wenig Schlaf und militärischem Brainwash abbekommt, dann ist es eher ein Wunder, dass nicht mehr passiert…
Sonntags ‘ne Zeitung
6/5/2007 | Roman
Sonntag früh und ich bin schon verwirrt. Aber der Reihe nach: Wir haben die Sonntagszeitung seit einiger Zeit abonniert. Sonntags eine Zeitung beim Frühstück zu lesen ist eben doch eine gewisse Büenzli-Lebensqualität.
Dementsprechend war es ein halber GAU, als letzte Woche keine kam. Die freundliche Dame am Telephon erklärte, dass unser Abo abgelaufen sei (ich dachte man kriegt 2 Wochen vorher einen Anruf um Verlängerung.. ) und daher gabs keine. Aber kein Problem, Abo wurde verlängert und die Sonntagszeitung wurde halt mal am Bahnhofskiosk gekauft.
Und heute früh ging ich voller Vorfreude an den Briefkasten und tatsächlich war eine Zeitung drin: Die NZZ am Sonntag. Jetzt bin ich verwirrt: Schliesst die Sales Abteilung des Tagi-Verlags NZZ Abos ab? Wird beides vom gleichen Verträger gebracht und hatte der gestern zu lange gezecht? Fragen über Fragen..
April, April Warner
10/4/2006 | Roman
Die Filmindustrie ist ja am Jammer, wie schlecht es ihr geht. Nun, anscheinend ist sie trotz allem intelligenter wie die Musikindustrie. Warner hat die Marktlücke entdeckt, dass anscheinend viele Internet-User Videos downloaden wollen. Aber wie so oft sind viele Ideen nicht zu Ende gedacht. Oder wenigstens bis zur Mitte.
Mit der Webseite In2Movies (www.in2movies.ch) will Warner eine «Download-to-Own-Plattform für Spielfilme und TV-Serien» in Deutschland, der Deutschschweiz und Österreich schaffen. (..) Bei In2Movies kann man die bezahlten Filme für immer behalten.
(..)
Wer bei In2Movies einen Film herunterlädt, gibt gleichzeitig anderen In2Movies-Benutzern, die den gleichen Film übertragen, seine Datenteile weiter. Das macht den Download schneller. Denn beim Start von In2Movies gibts die Filme nur in deutscher Synchronisation.
(..)
Die Filme bei In2Movies enthalten zudem kein Bonusmaterial und keine weiteren Tonspuren, was bei einer gekauften DVD normalerweise beides enthalten ist. Zudem lassen sich die Filme nur mit dem Windows Media Player 10 anschauen, was Windows XP zwingend voraussetzt. In der ersten Phase ist es auch nicht möglich, die Filme auf ein Medium wie einen DVD-Rohling zu sichern. Daher liegt der Preis einer Download-DVD leicht unter dem einer DVD, die man im Laden kauft.
Also fassen wir das zusammen:
- Ich zahl leicht weniger als für eine DVD im Laden, sagen wir mal 3-4 Franken
- Ich muss dafür meinen Rechner laufen lassen und Ressourcen auch für andere User zur Verfügung stellen, was mich u.a. Strom und Zeit kostet
- Dafür krieg ich einen Film, den ich nur am PC unter Windows anschauen kann. Also nicht auf DVD brennen und am Fernseh guggen
- Die Filme kann ich nur auf Deutsch, nicht auf Englisch schauen.
Wie verrückt muss man eigentlich sein, so was zu nutzen?
We love to …
28/3/2006 | Roman
Wer kennt sie nicht? Diese knappe 60 Sekunden Pro-Sieben Eigenwerbung, die einem jedesmal wie 60 Minuten vorkommen. Zum Glück kommt die ja nur in jeder Werbeunterbrechung und auch nur auf den unendlich scheinenden Sendern der Pro-Sieben Gruppe. Sprich so gegen 500 Mio mal pro Tag. Wenigstens gefühlt. Und neuerdings ist man auch im Kino nicht mehr sicher davon.

Nun gut, die ersten 5 mal fand man den Spott ja noch witzig. Die nächsten 50 mal, die man diese Werbung ertragen musste, gingen ja auch noch grad knapp. Aber nach den weiteren 500 Wiederholungen bin knapp davor, alle Pro-Sieben Sender aus meinem Fernseher rauszuprogrammieren.
Ich weiss nicht, was sich die Verantwortlichen denken. Echt nicht. Der Spot ist ja sogar gut gemacht, aber irgendwann wird alles lästig. Ist wie ein tropfender Wasserhahn: Man merkt sich zwar das Geräusch mit der Zeit und es frisst sich ins Unterbewusstsein. Das klappt ja gut, aber bei mir weckt der Spott Assoziation mit dem Bösen. Jedesmal wenn ich den Spot sehe, dann löst dies eine panische Reaktion meines rechten Zeigefingers aus, der sofort die Fernbedienung drückt und auf MTV zappt um mir dort die Jamba Klingeltonwerbungen anzuschauen.
Klar, Jamba steht auf meiner Sympathie-Liste kurz vor Saddam Hussein und Josef Stalin, aber immernoch knapp nach dem Verantwortlichen Pro-Sieben PR-Manager. Nun mag mir manch einer vielleicht vorwerfen, es sei Geschmackslos, einen russischen Massenmörder mit Pro-Sieben zu vergleichen. Aber ich wette, gäbs heute noch Gulags (für Ungebildete: Gulag bei Wikipedia) in Sibirien, würde dort garantiert dieser Spott laufen.
Rumors im Internet
22/2/2006 | Roman
Sicher kennt ihr noch das Spiel aus eurer Kindheit, wo alle im Kreis sitzen und Jemand dem Nachbarn einen Satz ins Ohr flüstert und dieser dass dann weiter an seinen Nachbarn flüstert. Und schlussendlich kommt etwas raus, dass nichts mit dem anfänglichen Satz zu tun hat.
Nun, das funktioniert auch im Internet. Aber im Gegensatz zum Kinderspiel läuft hier nicht alles im Kreis herum, sondern parallel und gleichzeitig zwischen allen Parteien. Ein aktuelles Beispiel zeigt dies wunderbar: Bei einem Festival wurde Guns’n'Roses angekündigt. Und da dauerte es keine 10 Minuten, schon wurde dies als heisser Kandidat für Rock im Park (RiP) und Rock am Ring (RaR) gehandelt. Als dann noch ein zweites Festival diese ankündigte und RiP und RaR in die Lücke zu passen schienen, kamen die ersten, welche die – völlig aus der Luft gegriffene – These als bare Münze nahmen.
Und nun wirds lustig, denn es entwickelte eine unglaubliche Eigendynamik: Diese Thesen wurden in zig dutzend andere Foren kopiert und dort verbreitet. Und irgendwo schrieb kurz darauf mal jemand, dass “sein Bruder von einer sicheren Quelle gehört hätte, dass sie sicher kommen”. Und dies wurde dann auch wieder in zig dutzend Foren kopiert. Gleichzeitig aber nun passiert auch, dass alle Forenuser nun die aus den jeweilig anderen Foren stammende Beiträge zitieren und verlinken. Und weil es nun halt in 30 Foren steht, wirkts umso glaubwürdiger. Dabei haben von Anfang an nur alle gegenseitig voneinander abgeschrieben. Gepaart mit ein paar “sicheren Quellen” wirds zum Teufelskreis.
Wer nun aber meint, so Quark bliebe in den Foren, der irrt. Und zwar kann man auf der offiziellen Guns’n'Roses Seite die Tourdaten nachlesen. Und wenn man nach “Germany” sucht, findet man auch diese, aber aus dem Jahr 2001. Und so gabs natürlich einen kurzsichtigen dummen Forenuser – mein persönlicher Held – der die Jahreszahl übersah und das als fixe Ankündigung sah.
Unter der Prämisse der oben dargestellen Verbreitungsmöglichkeiten könnt ihr euch denken, wie schnell der Quark von Willigen aufgenommen wurde. Das ging so weit, dass sogar MTV den Quark in die News genommen haben. Ein Trauerspiel…

