Es ist spannend, wie die Medien das Thema Schweizer Armee in den letzten Wochen behandeln. Der Fall Nef und die Kander haben eien Welle an kritischen Artikeln produziert, wobei spannenderweise so getan wird, als seien die Probleme erst in den letzten Wochen entstanden…
Natürlich ist die Armee 21 ein Desaster, aber dies nur deshalb, weil die Reform zu wenig weit ging und noch zu viel Armee 95 drin steckt. Und die hat ja bekanntlichermassen Sämi’s Vorgänger “Freude-herrscht”-Dölf verursacht.
Das Hauptproblem der Schweizer Armee ist nicht ein baldiger Ex-Chef mit Strafanzeigen, sondern schlicht und ergreifend Langeweile. Die Mitglieder einer Milizarmee fordern nunmal, dass wenn sie schon dutzende von Diensttagen zu leisten haben, dass diese wenigstens halbwegs interessant und sinnvoll auszugestalten sind. Und genau dies ist nicht der Fall.
“Warte zum Sekle und sekle zum Warte” (frei übersetzt: Warten bis zum rumrennen und rumrennen um nachher zu warten) ist ein alter Spruch im Militär, aber wenn ich mir meine Erfahrungen und die meiner Kollegen anschaue, dann ist es eher “Warte zum Warte”. Man wartet auf das Material, dass nicht da ist. Man wartet auf Transporte, die nicht kommen wollen. Man wartet auf Aufträge, weil keine da sind für den viel zu grossen Bestand an Männern. Man wartet auf Entscheidungen, die niemand treffen will. Etc.
Wenn wir z.B. den Unfall auf der Kander betrachten, war genau dies der Fall: Die Soldaten sollten zur Euro 2008 eingesetzt sein, aber sogar das VBS gibt zu, dass von den zu diesem Anlass aufgebotenen 10’614 Angehörige der Armee maximal 6’833 eingesetzt wurden. Wenn man nun als Soldat weiss, wie unglaublich ineffizient die Armee mit Personalressourcen umgeht (“man hat’s ja”), weiss man, dass für den Auftrag problemlos auch 2000 Leute gereicht hätten.
Aber unter diesen Umständen ist es doch nur verständlich, dass der Kompaniekommandant den sich langweilenden Truppen etwas Abwechslung – in Form einer Flussfahrt – bieten will. Dass diese heere Absicht mit Toten geendet hat, ist eine Tragödie. Aber Mitschuld an dem Desaster tragen meines Erachtens klar die Planer in den Stäben, die überhaupt dermassen zu viele Personen aufbieten. Und auch die Politiker, die sich erfolgreich gegen die massiv zu grossen Personenbestände wehren.
Die Schweiz braucht keine Armee mit 120’000 Aktiven. Die Schweiz braucht auch keine Armee mit 80’000 Aktiven. 30’000 bis 60’000 Mann sind mehr als genug. Das Milizprinzip müsste man für diese Form der Armee nicht aufgeben, denn den Bestand kann man simpel kürzen, in dem man die Diensttage der Nicht-Offiziere zusammenstreicht. Das gäbe dann auch mehr Durchdiener und damit eine jüngere, motiviertere Truppe, die durchaus mit Übungen und Aufträgen ausgelastet werden könnte.
Wenn entsprechend die Infrastruktur angepasst würde – sprich massiv verkleinert, dafür modernisiert – wäre man wieder auf dem Weg zur Einsatzfähigkeit, was ja aktuell nicht gegeben ist.
EDIT: Neben den bereits verlinkten Artikeln, möcht ich noch auf folgenden des Blick’s aufmerksam machen, der die Lage der Armee durchaus passend zusammenfasst: Unsere Schrott-Armee