Apfel-Fundamentalismus

7/1/2007 | Roman

Die Firma mit dem Apfel im Logo polarisiert die Gemüter. Entweder man hasst Macs oder man liebt sie. Ich gehöre zu Zweiteren, trotzdem bin ich immer wieder aufs neue erstaunt, wie fundamental gewisse Mac-User sein können. Gerade in diesen Tage ist es besonders ausgeprägt. Verantwortlich dafür sind zwei Ereignisse: Einerseits die anstehende Macworld – eine Messe rund um den Mac – in San Francisco nächste Woche und andererseits der ausgerufene “Month of Apple Bugs“.

Die Wenigsten begrüssen diese Kampagne von zwei Hackern, zumeist hört man “Blasphemie”-Rufe in der Mac-Gemeinde, belächelte und belachte diese die Windows-User doch jahrelang aufgrund ihrer Sicherheitsproblematik. Und da Würmer und Viren auf dem Mac Mangelware sind, scheinen gewisse User tatsächlich der Illusion der vollständigen Sicherheit verfallen zu sein. Als ob irgendein Betriebssystem oder Programm fehlerfrei sei und dementsprechend eine vollständige Sicherheit bieten würde. Ganz zu schweigen von Benutzerfehlern.
Die Kampagne führt zu spannenden Artikeln und Kommentaren im Internet und der Presse. So betitelt der MacObserver die Kampagne mit “A Month of Continuous Foolisness” und fordert zur Ignoranz dieser auf. In zahlreichen privaten Blogs und Zeitungs-Leserbriefen liest man wüste Beschimpfungen der zwei Hacker.

Auch die kommende Keynote von Apple-CEO Steve Jobs bewegt die Gemüter: Seit mehreren Wochen kommt kaum eine News-Seite ohne die wildesten Spekulationen rund um die eventuell präsentierten Produkte aus. Gerade ums sehnlichst erwartete iPhone (Handy mit iPod Funktionalität) und die neue iWorks Version – angeblich mit Tabellenkalkulation – überschlagen sich Meldungen rund um schlecht gemachte Fakes und Screenshots.

Ein besonders abstruses Verhalten konnte man diese Woche auf Amazon.com beobachten. Der Versandhändler hatte bereits Produktseiten mit Vorbestellfunktion für 4 neue Produkte aufgeschaltet, wobei ausser dem Preis nichts bekannt war. In den Bewertungen überschlugen sich die Fans mit Kommentaren im Stile von “hey, I’ve ordered it. It must be great, it’s from Apple” und bewerteten die Produkte glatt mit 5 Sternen. Amazon reagierte und hat die Produktseiten wieder abgeschaltet…

Für “normale” Menschen scheint diese Art der Marken-Vergötterung tatsächlich sehr fremd. In Spiegel Online werden einige Studien dazu zitiert, die tatsächlich der Mac-Gemeinde eine gewisse Religiösität bescheinigen:

Markenforscher wie Albert Muñiz von der DePaul University Chicago haben in der Identifikation mit der Marke Apple gar schon religiöse Komponenten entdeckt, was die teils heftigen Reaktionen auch erklären würde. All das, was grundlegend bei Religionen sei – gemeinsame Werte, großer Zusammenhalt, das Erzählen von Geschichten, finde sich auch bei Anhängern bestimmter Marken, erklärt Muñiz. Beispiele dafür seien neben Apple auch bestimmte Automarken (Saab, Jeep) und Harley-Davidson. Gleiches sei auch bei Fans bestimmter Filme und Serien zu beobachten wie Star Trek oder Star Wars.

Alle diese Markengemeinschaften haben bewiesen, dass sie übertragbare Erfahrungen ihrer Mitglieder hervorrufen können, in allen gibt es Hinweise auf Magie, Religion oder Übernatürliches”, sagt der Wissenschaftler. Menschen, die einer Art Konsumentenreligion frönten, zeigten eine kultähnliche Anbetung einer Marke. “Wir sehen traditionelle religiöse Motive und Personen, die sich auf dem Markt abspielen”

Wen’s interessiert: Am kommenden Dienstag um 18:00 beginnt die Keynote von Steve Jobs. Falls also dein Internet an dem Abend besonders langsam scheint, könnte es an den Millionen und Abermillionen von Apple-Fans liegen, welche die Keynote per Live-Stream oder auf einer der hunderten von News-Seiten mitverfolgen..

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6 Kommentare zu “Apfel-Fundamentalismus”

  1. Kommentar von smitty:

    Ich kann den ganzen Markenkult rund um Apple auch nicht ganz nachvollziehen. Umso weniger als Apple technisch und qualitativ auch nicht besser ist als andere (Hardware-Qualitätsprobleme, DRM-verseuchtes I-Tunes, teilweise gesalzene Preise).

    Okay, einige Produkte sind äusserlich hübsch designed und haben einen entsprechend dekorativen Mehrwert, aber das wär’ dann auch gleich; die Hardware ist ja praktisch dieselbe geworden wie bei der Konkurrenz. Ich denke nicht dass sich da noch viele rational denkende Entscheider in einem kompetitiven Umfeld für Apple entscheiden.

    Aber so wie es den Anschein macht will sich Apple mittelfristig wohl sowieso aus diesem Umfeld verabschieden und stattdessen ganz auf den Consumermarkt fokussieren (I-Tunes, I-Phone, Multimedia-Accessoires usw.)

  2. Kommentar von Roman:

    Würd ich definitiv so nicht unterschreiben. Ich mein ein iPod besteht auch nur aus handelsüblichen Komponenten, trotzdem unterscheidet er sich – wie die Macs auch – vom Rest.

    Ich habe lange genug in Umgebungen gearbeitet, die sowohl Windows, wie auch Macs betrieben haben. Und ganz ehrlich: Das Windowsnetz gab ein mehrfaches an Aufwand an Schulung, Security und Wartung.

    Kurz gesagt “Apple, it works”. Out of the Box. Egal was du nimmst, ob iPod, iMac oder XServe: Innert kürze kannst du alles machen was du willst bzw. was das Gerät kann, ohne dich langwierig mit der Bedienung rumzuschlagen.

    Trotzdem: Schlussendlich ist und bleibt alles ein Gebrauchsgut. Und dass ist mein Problem – gibt ja auch dasselbe im Automarkt: Wie kann man so besessen sein von einem Gegenstand bzw. der herstellenden Firma (ob jetzt Apple oder Audi)?

  3. Kommentar von smitty:

    “Würd ich definitiv so nicht unterschreiben. Ich mein ein iPod besteht auch nur aus handelsüblichen Komponenten, trotzdem unterscheidet er sich – wie die Macs auch – vom Rest.”

    Naja, für mich ist ein iPod minderwertiger als andere MP3-Player, welche ohne DRM Restriktionen auskommen und günstiger angeboten werden. Ich denke die meisten kaufen sich einen iPod weniger aus technischer Überzeugung oder rational begründbaren Überlegungen denn aus dem Bedürfnis, auch “dabeisein” zu wollen (was durchs Apple Marketing perfekt angeregt wird).

    “Ich habe lange genug in Umgebungen gearbeitet, die sowohl Windows, wie auch Macs betrieben haben. Und ganz ehrlich: Das Windowsnetz gab ein mehrfaches an Aufwand an Schulung, Security und Wartung.”

    Das kann ich mir gut vorstellen. Ich wage jetzt aber mal zu behaupten, dass dies vor allem auf die relativ geringe Verbreitung von Macs zurückzuführen ist. Und dann spielt sicher auch noch der “religiöse” Aspekt, dass es ein Apple-Freak seinem geliebten Apfel noch eher verzeiht wenn eine Anwendung mal abschmiert, als der Windowsuser, der keine besondere Liebesbeziehung zu seinem PC pflegt (wohl eher das Gegenteil).

    “Trotzdem: Schlussendlich ist und bleibt alles ein Gebrauchsgut.”

    Sachlich betrachtet ist das richtig. Aber Apple lebt doch eben geradezu davon, seine Produkte vom langweiligen Charakter eines Gebrauchsguts zu befreien und stattdessen ästethische und kulturelle Ansprüche zu erheben.

    Und ich muss sagen dass mir wirklich nicht viele Produkte bekannt sind, deren Marketing eine derart eingefleischte, überzeugte und nachhaltige Kundschaft erhalten kann (allen Widersprüchlichkeiten zum Trotz). Das hat tatsächlich religiösen Charakter, eine glanzleistung moderner Produktvermarktungsstrategien. Von Apple könnte diesbezüglich noch mancher was lernen.

  4. Kommentar von Jeanine:

    Also ich bin ja der Oberlaie bezüglich solchen Dingen. Ich weiss nur, dass ich mit dem neuen imac extrem viel weniger meine bessere Hälfe um Hilfe bitten muss, weil irgendwas (oder grad alles) nicht mehr geht.

  5. Kommentar von Roman:

    Hallo Smitty

    1. Ein iPod kommt durchwegs ohne DRM aus, schliesslich kann er ja pures MP3. Du kannst ihn auch problemlos ohne iTunes auftanken, gibt auch Software von Drittherstellern.

    2. Natürlich sind Macs weniger verbreitet und damit automatisch ein weniger attraktives Ziel für Angriffe. Trotzdem wage ich hier die Aussage, dass Macs out-of-the-box sicherer sind als Windows Maschinen. Meine Aussage über den Wartungsaufwand entsprach vergleichbaren Units innerhalb einer Unternehmung.

    Trotzdem muss gesagt werden, dass auch Macs voll mit Fehlern sind. Bei der Menge an Code muss das aber auch so sein…

  6. Kommentar von smitty:

    “Ein iPod kommt durchwegs ohne DRM aus, schliesslich kann er ja pures MP3. Du kannst ihn auch problemlos ohne iTunes auftanken, gibt auch Software von Drittherstellern.”

    Okay das stimmt. Aber dann kann ich ja auch geradesogut ein anderes, günstigeres Gerät kaufen. Mir geht’s ja vor allem darum, Musik zu hören, und nicht zu posen oder eine Marke zu zelebrieren.

    Ich gehe auch einig dass die Macs wohl auch bei grösserer Verbreitung weniger anfällig wären als Windowssysteme. Aber ich denke mal es sind trotzdem nicht primär technische Aspekte die zum Kauf eines Apple-Gerätes führen; die Apple-Jünger würden den neuesten Furz von Steve Jobs auch dann kaufen, wenn er noch buggier und löchriger als die Produkte von Konkurrent M$ wäre.

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