Kapitalismus vs. Entwicklungshilfe 1:0

Nun ist er also endlich vergeben, der Friedensnobelpreis. Und selten war die Aufregung drum herum so gross wie dieses Jahr. Der Grund liegt wohl daran, dass die Ursache kein Friedensvertrag oder dessen Verhandlungen war und der Nobelpreisträger kein Politiker ist, sondern ein Ökonom. Ein Bänker.

Das wäre noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen, zu sehr war das Vorurteil des “bösen” Kapitalismus in den Köpfen der Menschen (stattdessen gab man den Friedensnobelpreis lieber einem Terroristen.. aber das ist ein anderes Thema) zementiert. Mohammed Yunus hat ihn nun erhalten, weil er Kleinstkredite in Bangladesh vergibt und so den Menschen hilft, sich selbst zu helfen. Damit sie sich die benötigten Werkzeuge kaufen können, um ein Business aufzubauen.

Wohlgemerkt – und das sei hier explizit festgehalten – Yunus verschenkt kein Geld, er gibt Kredite und verlangt deren Rückzahlung samt Zins und Zinseszins. Die Bank ist keine wohltätige Organisation, die Milliarden von westlichen Spendengeldern verbrennt, hat aber wohl durch ihre strikte, kapitalistische Ausrichtung mehr Entwicklungshilfe betrieben wie sonst irgendeine Institution der Welt.

Ich war nie und werde nie Fan der “klassischen” Entwicklungshilfe sein, in meinen Augen zerstört sie viel mehr als sie bewirkt, auch wenn die Motive ehrenwert sind. Beispiele gefällig?

Anno 2006 hat sich Sharon Stone aufgemacht und hat Moskitonetzte für Tansania beschaffen wollen. Dafür hat sie am Weltwirtschaftsforum Geld gesammelt und insgesamt 236’000 Moskitonetze in Afrika verschenkt. Sie wurde als grosse hummanitäre Heldin in Europa gefeiert, jedoch waren die Folgen ihrer “Hilfs”aktion katastrophal (nachzulesen z.B. hier):

  • Das plötzliche Überangebot an kostenlosen Moskitonetzen liess den lokalen Markt zusammenbrechen. Zahlreiche lokale Unternehmen – und mit ihnen ihre Inhaber und Arbeiter – gingen konkurs.
  • Da es immernoch viel zu viel Moskitonetze gab, begannen die Menschen die zum fischen zu gebrauchen. Mit denselben Folgen: Die lokalen Fischereizubehör-Unternehmen und -Handel gingen konkurs.

Oder mag sich jemand noch an die ganze Make Poverty History-Kampagne erinnern? Gut, nichts gegen die Konzerte, aber auch das war ein Desaster sondergleichen. Gleich aus zwei Gründen:

  • Der Schuldenerlass sendet ein falsches Zeichen an die Geberländer und Geberinstitutionen. Es senkt die Motivation in Zukunft Kredite an die betroffenen Länder zu geben massiv! Kleine Metapher: Wenn du jemanden das Auto ausleihst und er verkauft es und geht dafür in die Ferien: Würdest du ihm wieder eins ausleihen?
  • Der Schuldenerlass hilft der hungernden Bevölkerung nicht. Er setzt lediglich Mittel für die korrupten Regierungen und Regimes frei. Und die kauft sich dafür mal wieder ein Dutzend Mercedes-Benz und Maybach. Kein Scherz, so gönnte sich z.B. der König von Swaziland – Maswati – für sich und seine 13 Frauen mal wieder ein paar neue Luxuskarossen (guggst du). Die Bevölkerung hungert…

Mohammed Yunus ist ein genialer Mensch. Während klassische Entwicklungshilfe vor allem in den Brieftaschen korrupter Herrscher und westlicher Organisationen landet, die Abhängigkeit der Menschen in der dritten Welt von Almosen steigert und lokale Märkte und Arbeitsplätze zerstört, schafft Yunus mit seinem System Freiheit und wirtschaftlichen Aufschwung für die Armen. Dank Kapitalismus.

2 Comments

  1. Michael Sommer
    Posted 15/10/2006 at 14:21 | Permalink

    Ausgezeichneter Beitrag. Ich denke ganz genau so. Hoffentlich gehen diese Tatsachen mal in die Köpfe der “solidarisch” denkenden Bevölkerung.

  2. smitty
    Posted 15/10/2006 at 21:24 | Permalink

    Sehr interessanter Beitrag. Gilt übrigens nicht nur für die Entwicklungshilfe im Ausland, auch unser inländischer, überbordender Sozialstaat sorgt für sehr suboptimale Ergebnisse.