Es sind in diesem Blog schon einige Beiträge zum Thema Kapitalismus erschienen und die Meisten werden gemerkt haben, dass ich ein Fan des Systems bin. Aber für heute verstummt einmal der Lobgesang.

Ab und an dringt auch bei mir der Frust ab der Auswüchse des Kapitalismus durch. Das Problem ist eigentlich ein simples: Der Kapitalismus ist keine Ideologie, sondern lediglich ein Wirtschaftssystem. Dies jedoch bedeutet wiederum, dass er keine Werte generiert oder definiert, sondern diese Aufgabe den Individuen und der Gesellschaft überlässt.

Generiert ein vorherrschender Markt keine optimalen Ergebnisse – perfekte Märkte existieren nunmal nur in der Theorie – so liegt es an der Gesellschaft, den Markt zu beschränken und/oder in die Marktmechanismen einzugreifen. (das nennt sich btw. Ordo-Liberalismus, für alle Buzzword-Fans).

Heute scheint jedoch der Trend dahin zu führen, dass nicht etwa die Werte verfallen – wie man bei seinen älteren Verwandten oft hört – sondern gar nicht definiert werden. Und so ist es nicht verwunderlich, dass gewisse Auswüchse generiert werden, welche nicht einmal bekämpft werden. Es ist halt bequemer, sich auf seinem Credo der Selbstverwirklichung auszuruhen, anstatt sich die Probleme anderer Menschen anzuhören oder gar aktiv zu handeln!

Ein besonders schlimmes Paradox sind hierbei die Working Poor: Menschen, die einen Volltags-Job ausüben, aber trotzdem unter der Armutsgrenze, teilweise gar unter dem Existenzminimum leben. Ich bin heute beim Stöbern auf YouTube auf einige Videos gestossen, die es mehr als Wert sind, angeschaut zu werden.

Der Hintergrund ist, dass in 2 Wochen in einigen Staaten der USA über die Anhebung der Mindestlöhne abgestimmt wird. Dazu gibts die Kampagne www.sevendaysatminimumwage.org – Jeden Tag diese Woche wird ein neues Schicksal eines Menschen vorgestellt, der sich sich mit einem Minimallohn durchs Leben schlägt. Vielleicht als kleine Vorauswahl möchte ich euch vorallem das Video von Jessica ans Herz legen (Day 4):

PS: Bevor ihr das nächste Mal beim Spenden wieder euer Geld an korrupte Regimes in Afrika verteilt, denkt mal vielleicht drüber nach, ob es vielleicht nicht in euerer näheren Umgebung Menschen gibt, die ebenfalls der Hilfe bedürfen. Auch in der “reichen” Schweiz gibt es mehr als genug Menschen, die kaum über die Runden kommen. Nur ein kleiner Gedanke nebenbei..

Instructables

23/10/2006 | Roman

Selbst der faulste Bürohengst greift mal zum Hammer, irgendwie hat der Reiz am Heimwerkern – IKEA und “Schöner Wohnen”-Sendungen sei Dank – nicht an Faszination verloren. Und in der heutigen Zeit holt man sich die Infos nicht im Obi oder Jumbo, sondern im Internet.

Daher mein heutiger Linktipp: Instructables.com – Da gibts alles, wofür man eine Anleitung schreiben könnte. Sei es für den Eigenbau von Lichtinstallationen und Elektronik oder auch nur simple fürs Sudoko-Lösen. Just try it, es macht süchtig.

Die GläubigInnen

16/10/2006 | Roman

Political correctness hat nun auch die Kirchen erreicht. Vielleicht kann man es als Gegentrend zum Fundamentalismus der (amerikanischischen) Evangelikalen – oder soll ich EvangelikalInnen sagen? – sehen, aber jetzt wirds wirklich bunt:

(..) Die „Bibel in gerechter Sprache“ schlägt für den Gottesnamen verschiedene Varianten vor, etwa „der „Ewige“, „die Ewige“, „der Heilige“, „die Heilige“ und „der Lebendige“. „Gott ist weiblicher, als man glaubt“, sagte der an der Übersetzung beteiligte Theologieprofessor Frank Crüsemann (..)

Um Gerechtigkeit im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog zu erzielen, werden etwa Jesu Worte in der Bergpredigt neu übersetzt. Statt „Ich aber sage euch“ heißt es nun „Ich lege euch das heute so aus“. Damit soll verdeutlicht werden, dass Jesus sich nicht mit Gegenthesen gegen die jüdische Tradition wende. Um der Geschlechtergerechtigkeit willen werden neben den männlichen Bezeichnungen auch Apostelinnen, Diakoninnen, Prophetinnen und Pharisäerinnen genannt.

Quelle: idea.de

Es ist mir bewusst, dass die Bibel aus heutiger Sicht – insbesondere Paulus in seinen Briefen – nicht gerade emanzipiert daherkommt. Doch das wäre ein eigenes Thema, was sich – insbesondere im Hinblick auf den historischen Background – spannend diskutieren liesse, was ich an dieser Stelle sein lasse. Jedoch muss klar gesagt werden, dass das Christentum – wie auch die beiden anderen abrahamistischen, als auch die fernöstlichen Religionen – auf Dogmatik in Form von “take it or leave it” basieren.

Wer nun hingeht und jahrhundertalte Schriften komplett umschreibt und sogar absichtlich ins Gegenteil verkehrt (Jesus war der grösste Kritiker der jüdischen Tradition), der modernisiert nicht die Religion, sondern erschafft eine Neue. Im Stile von Believe-it-yourself.

Da stellt sich doch berechtigerweise die Frage: What the f***?! Wenn man sich mit der Aussage der Religionen nicht abfinden kann, bleibt einem immernoch die Wahl einer Anderen, der Agnostik oder des Atheismus.

Nun ist er also endlich vergeben, der Friedensnobelpreis. Und selten war die Aufregung drum herum so gross wie dieses Jahr. Der Grund liegt wohl daran, dass die Ursache kein Friedensvertrag oder dessen Verhandlungen war und der Nobelpreisträger kein Politiker ist, sondern ein Ökonom. Ein Bänker.

Das wäre noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen, zu sehr war das Vorurteil des “bösen” Kapitalismus in den Köpfen der Menschen (stattdessen gab man den Friedensnobelpreis lieber einem Terroristen.. aber das ist ein anderes Thema) zementiert. Mohammed Yunus hat ihn nun erhalten, weil er Kleinstkredite in Bangladesh vergibt und so den Menschen hilft, sich selbst zu helfen. Damit sie sich die benötigten Werkzeuge kaufen können, um ein Business aufzubauen.

Wohlgemerkt – und das sei hier explizit festgehalten – Yunus verschenkt kein Geld, er gibt Kredite und verlangt deren Rückzahlung samt Zins und Zinseszins. Die Bank ist keine wohltätige Organisation, die Milliarden von westlichen Spendengeldern verbrennt, hat aber wohl durch ihre strikte, kapitalistische Ausrichtung mehr Entwicklungshilfe betrieben wie sonst irgendeine Institution der Welt.

Ich war nie und werde nie Fan der “klassischen” Entwicklungshilfe sein, in meinen Augen zerstört sie viel mehr als sie bewirkt, auch wenn die Motive ehrenwert sind. Beispiele gefällig?

Anno 2006 hat sich Sharon Stone aufgemacht und hat Moskitonetzte für Tansania beschaffen wollen. Dafür hat sie am Weltwirtschaftsforum Geld gesammelt und insgesamt 236′000 Moskitonetze in Afrika verschenkt. Sie wurde als grosse hummanitäre Heldin in Europa gefeiert, jedoch waren die Folgen ihrer “Hilfs”aktion katastrophal (nachzulesen z.B. hier):

  • Das plötzliche Überangebot an kostenlosen Moskitonetzen liess den lokalen Markt zusammenbrechen. Zahlreiche lokale Unternehmen – und mit ihnen ihre Inhaber und Arbeiter – gingen konkurs.
  • Da es immernoch viel zu viel Moskitonetze gab, begannen die Menschen die zum fischen zu gebrauchen. Mit denselben Folgen: Die lokalen Fischereizubehör-Unternehmen und -Handel gingen konkurs.

Oder mag sich jemand noch an die ganze Make Poverty History-Kampagne erinnern? Gut, nichts gegen die Konzerte, aber auch das war ein Desaster sondergleichen. Gleich aus zwei Gründen:

  • Der Schuldenerlass sendet ein falsches Zeichen an die Geberländer und Geberinstitutionen. Es senkt die Motivation in Zukunft Kredite an die betroffenen Länder zu geben massiv! Kleine Metapher: Wenn du jemanden das Auto ausleihst und er verkauft es und geht dafür in die Ferien: Würdest du ihm wieder eins ausleihen?
  • Der Schuldenerlass hilft der hungernden Bevölkerung nicht. Er setzt lediglich Mittel für die korrupten Regierungen und Regimes frei. Und die kauft sich dafür mal wieder ein Dutzend Mercedes-Benz und Maybach. Kein Scherz, so gönnte sich z.B. der König von Swaziland – Maswati – für sich und seine 13 Frauen mal wieder ein paar neue Luxuskarossen (guggst du). Die Bevölkerung hungert…

Mohammed Yunus ist ein genialer Mensch. Während klassische Entwicklungshilfe vor allem in den Brieftaschen korrupter Herrscher und westlicher Organisationen landet, die Abhängigkeit der Menschen in der dritten Welt von Almosen steigert und lokale Märkte und Arbeitsplätze zerstört, schafft Yunus mit seinem System Freiheit und wirtschaftlichen Aufschwung für die Armen. Dank Kapitalismus.

Hugo Stamm

8/10/2006 | Roman

Als Blogger wird man zwangsläufig selbst zum aktiven Blogleser. Einige habe ich hier schon vorgestellt, heute ist ein weiteres an der Reihe:

Vielleicht sagt einigen der Name Hugo Stamm etwas. Er ist Redakteur beim Tagi und Buchautor, beschäftigt sich vorallem um Religion, Okkultismus und Sekten. Hugo Stamm ist bei vielen Personen nicht besonders beliebt. Liegt wohl daran, dass er nicht gerade sparsam Kritik austeilt und damit zwangsläufig auch den Glauben und Überzeugung des Einzelnen tangiert. Ist schliesslich sein Job, den er meines erachtens hervorragend macht.

Gut, als Schaffhauser hat er natürlich einen Vorteil in meiner Sympathie-Skala, aber daran liegts nicht. Es liegt auch nicht daran, dass ich seine Meinung immer teilen würde. Es liegt eher daran, dass ich seine – in der heutigen Gesellschaft bitterst nötige – Kritik als sachlich, reflektiert und prägnant empfinde.

Aber genug geschwafelt, hier der Link zu seinem Blog: http://hugostamm.kaywa.ch/

Wild auf Wild

2/10/2006 | Roman

Boah.. Bis jetzt war ich ja Wild-Fanatiker. Und da kam mir der Herbst gerade recht: Wild wohin man schaut. Und so konnte ich gestern Abend im Restaurant auch nicht widerstehen, als da ein schönes Rehpfeffer auf der Karte stand.

Ich weiss nicht, ob das Fleisch aus Deutschland kam oder bereits das vierte mal aufgewärmt wurde. So oder so: Danke für die Bauchkrämpfe. Wild gibts bei mir von jetzt an nur zu Hause, von unserem Haus-Metzger..