Kapitulation der Meinungsfreiheit
26/9/2006 | Roman
Das Jahr 2006 ist ein spezielles Jahr. Was haben wir nicht bereits erlebt im innerreligiösem Dialog? Karikaturen und darauffolgend brennende Botschaften, Papstzitate und wenn der Vatikan Botschaften hätte, so hätten die wohl auch gebrannt.
Das alleine ist traurig genug, viel trauriger stimmt mich jedoch, dass es der Westen anscheinend nicht für Nötig hält, seine jahrhundertelang erarbeiteten Werte wie Meinungs-, Kultur- und Religionsfreiheit vor dem Rest der Welt zu verteidigen. Und jetzt nimmt das ganze eine weitere perfide Stufe: Anstatt die Werte nur reaktiv nicht zu verteidigen, werden diese neu gar proaktiv aufgegeben. Guggst du Artikel in Spiegel Online:
(..) Der gerade zurückgetretene holländische Justizminister Piet Hein Donner hält die Einführung der Scharia in Holland für möglich (..) die Londoner Polizei kündigt an, sie werde zunächst ein Gremium muslimischer Community Leader informieren und konsultieren, bevor sie zu Anti-Terror-Einsätzen ausrückt, von denen Muslime betroffen sind. Und nun hat die Deutsche Oper in Berlin die Mozart-Oper “Idomeneo” vom Spielplan genommen, nachdem das Landeskriminalamt (LKA) in einer “Gefährdungsanalyse” befunden hat, dass “Störungen der Aufführungen nicht ausgeschlossen werden können”. (..) In diesem Jahr freilich haben die Karnevalsgesellschaften, die in ihrer grenzenlosen Witzischkeit keine Tabus kennen, beschlossen, kein Risiko einzugehen und auf Witze über den Islam und die Moslems zu verzichten.
Ich möchte das ganze mit einem Zitat, welches ich sehr schätze, von Benjamin Franklin abschliessen: Those who would give up Essential Liberty to purchase a little Temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.
Kampfsportarten
25/9/2006 | Jeanine
Die Bevölkerung soll mehr Sport treiben. Das wissen wir alle. Das tun wir bloss nicht alle. Ich habe mir diese Aufforderung zu Herzen genommen und mich heute den ganzen Tag den Kampfsportarten verschrieben. Genauer gesagt, dem Kampf-Shopping. Wie das funktioniert? Ganz einfach: man nehme eine Stadt wie Winterthur, einen Tag Zeit und einen beinahe leeren Kleiderschrank, welcher zu Hause wartet, gefüllt zu werden. Ach ja, Geld ist auch immer gut!
Konkret sah unser Programm folgendermassen aus: um 9 Uhr gings los – um 12 gabs eine kurze Mittagspause – und dann weiter bis um 17 Uhr. Das Ergebnis meines sportlichen Einsatzes? Geschundene Füsse natürlich! Und Pullover, Blusen, Jupes, Schuhe zum Arbeiten und Stiefel (welche ich wohl nie in meinem Leben in die IPMZ- oder welche Bibliothek auch immer tragen darf, ohne den Hass der ganzen anderen Anwesenden auf mich zu ziehen
) und natürlich die passende Handtasche zu den Stiefeln. Und noch ein paar andere Kleinigkeiten, die frau so kauft beim Kampf-Shopping.
Was an einem Abend nach dem Kampf-Shopping zu tun ist? In die Badewanne sinken, einen Kaffee trinken und sich freuen, dass sowohl frau als auch die EC-Karte den harten Kampf unbeschadet überstanden hat
Wort zum (Abstimmungs-)Sonntag
25/9/2006 | Roman
Ich lass mich ja gerne auf alle möglichen politischen Diskussionen ein, habe mich aber bisher hier relativ harmlos gezeigt. Irgendwie war es die fehlende Lust oder eher die Übersättigung durch die aktuelle Medienlandschaft zu den vergangenen Abstimmungen. Aber jetzt muss ich einmal das Wort ergreifen.
Konkret möchte ich das Thema der Berichterstattung nach der Abstimmung aufgreifen. Es stösst mir sehr sauer auf, dass plötzlich 60 % der Schweizer Bürger in die Ecke des Faschismus und der Xenophobie gestellt werden. Ich kann ja verstehen, wenn man als Gegner der Vorlage enttäuscht ist, aber nun gleich mit der polemischen Keule gegen die eindeutige Mehrheit der Stimmenden zu schwingen ist nicht gerade die feine Art.
Speziell sind insbesondere die Reaktionen aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland. Da wird die Schweiz difflamiert, wobei jedoch brav verschwiegen wird, dass der Ausländer-Anteil in der Schweiz 19%, in Deutschland beispielsweise nur bei knapp 9% liegt. Auch verschwiegen wird, dass die Schweiz im Jahr 2004 14′284, Deutschland aber (mehr als 10 mal mehr Einwohner!!) lediglich 35′607 Asyl-Anträge behandelt hat. Oder war es nicht Deutschland, wo Neonazis (NPD) gerade in den Landtag von Mecklenburg eingezogen sind?
Ich weiss, Zahlenspiele. Aber trotzdem stösst es sauer auf, dass die Schweiz difflamiert wird, wo sie doch im gesamten Europäischen Raum verglichen zur Bevölkerung als Glanzlicht in Sachen Ausländern und Asylstatistiken dasteht. Die Schweiz hatte eine humanitäre Tradition und wird sie auch nach diesen Gesetzesrevisionen behalten.
Ich persönlich bin der Überzeugung, dass diese nötig waren. Es gab zu viele Fälle in den Medien von Missbrauch der Gastfreundschaft der Schweiz. Hier sei z.B. die Roma-Familie aus Rüschlikon genannt (mehr dazu z.B. in der NZZ). Oder aber beim Hassprediger aus Genf, der die Islamisten zum Dschihad gegen die Schweiz aufrief. Bei solchen Berichten ist es kein Wunder, dass sich der Frust der breiten Bevölkerung aufstaut. Dass dies Einzelfälle sind, wird nebensächlich.
Die Schweizer Bürger zeigten am Sonntag eindrücklich, dass es den Status Quo nicht mehr ertragen konnten. Ich bin mir sicher, dass die meisten Ja-Stimmenden mit den eigentlichen Vorlagen nicht besonders zufrieden waren, aber anscheinend war eine suboptimale Veränderung besser wie der Stillstand und die Duldung.
Die Annahme der Revisionen ist in meinen Augen keine Schwächung des Asylwesens der Schweiz, sondern eine Stärkung. Wenn der Missbrauch durch die Anwendung der neuen Gesetze eingedämmt werden kann – und dazu gehören die Medienberichte der Einzelfälle -, so wird die Bereitschaft der Fortführung der grossartigen humanitären Tradition der Schweiz einen grossen Aufschwung erleben und damit die Freude an der Gastfreundschaft dieses Landes.
Kurzsichtige Gewinne
24/9/2006 | Roman
Ich weiss es ist mitten in der Nacht, aber irgendwie muss ich das jetzt niederschreiben, auch wenn ich dafür morgen früh den Vorwurf des Wahnsinns hören werde..
Ich war heute beim Frisör. Nichts aufregendes eigentlich, worüber sich zu schreiben lohnen würde. Eigentlich, aber beginnen wir von Vorne: Ich war bei diesem Frisör nicht zum ersten mal, im Gegenteil, ich war auf dem besten Wege zum Stammkunden. Jedesmal hochzufrieden, hab jedesmal gute Umsätze generiert (mag wohl mit meiner Liebe zu Paul Mitchel Shampoos zusammenhängen). Leider hat in der Zwischenzeit meine bisherige Bedienung gekündigt, wie gesagt: Hochzufrieden, wieso switchen? Daher hat diesmal die Chefin höchstpersönlich eine Chance erhalten.
In a nutshell: Es war ein Fehler. Nicht, weil ich einen schlechten Schnitt bekommen habe oder das Ergebnis nicht ansehnlich war. Nein, im Gegenteil, der Schnitt war noch besser wie sonst. Aber trotzdem werde ich den Laden nie wieder betreten. Die Chefin war so auf die Umsatzgernerierung und kurzfristigen Gewinn fixiert, dass sie schlussendlich mich durch falsche Versprechen zu einer neuen Variante der Meches überzeugt hat. Schlussendlich sass ich 1h länger im Laden, es hat mich 50 CHF mehr gekostet und ein Unterschied ist selbst mit viel Phantasie nicht zu sehen.
Hey, es ist ok. Ich kann verstehen, wenn jemand gerne gute Umsätze macht. Das ist legitim. Und ich bin auch für gute Dienstleistungen bereit, einen guten Preis zu bezahlen. Trotzdem erwarte ich – wie wohl die meisten Menschen – dass ich für mein Geld und meine Zeit einen Gegenwert erhalten. Als langjährige Friseuse sollte sie gewusst haben, dass sie ihre gemachten Versprechen nicht halten hätte können. Trotzdem erlag sie wohl der Versuchung von kurzfristigen Gewinnen ohne bedacht zu haben, dass sie dadurch das Risiko eingeht, den Kunden – und damit die zukünftigen Umsätze und Gewinne – zu verlieren. Schlussendlich verdient der Dienstleistungssektor sein Geld mit der Erkennung und Befriedigung von Bedürfnissen der Kunden. Und gerade die treuen Kunden sind besonders wertvoll, liefern sie doch beständig Umsätze, die besseren Margen (durch geringere Kosten) und ev. neue Kunden frei Haus.
Ich hab daraus gelernt und werde weder die Variante nochmals wählen, noch den Laden ein weiteres Mal betreten. Schade, gute Frisöre sind selten.
Success
23/9/2006 | Roman
So, seit gestern ist es offiziell: Meine Diplomarbeit “Spieltheoretisches Experiment zum External Audit” wurde angenommen. Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die mich in dieser Zeit ausgehalten haben, an die Betreuung am IRC und vorallem allen Teilnehmern am Experiment (die Auslosung findet noch statt, keine Angst!)
Für alle Gleis9er: Nächste Runde geht auf mich

Geiz ist Gammel
16/9/2006 | Roman
Nun gut, an Gammelfleisch hat man sich in Deutschland ja bereits gewöhnt. Nun sind aktuell noch Gemüse und Pilze dazugekommen. Ganz Deutschland scheint verwundert. Ich bins nicht. In Deutschland herrscht aktuell die Geiz ist Geil Mentalität, sieht man nicht nur im Mediamarkt und Saturn, im Lebensmittelladen siehts doch auch nicht anders aus. Deutschland wird das letzte Land in Europa sein, dass die Käfighaltung von Hühnern verbieten wird und das auch nicht aus freiwilligem Antrieb. Ob das Huhn nun glücklich ist oder nicht, scheint ab dem Sparpotential von gigantischen 10 Cent pro Ei den Meisten egal zu sein.
Oder schaut mal ins Kühlregal im Wal-Mart: 2 Euro pro Kilo Hühnerschenkel frisch aus China. Man nehme nun an, dass Wal-mart und die Spediteure davon 70% schnappen, mag doch niemand erstaunt sein, dass dies kein Fleisch aus biologisch-verantwortungsbewusster Landwirtschaft ist. Aber anscheinend doch. Anders kann ich mir das grosse Tam-Tam der Medien nicht erklären.
Wird sich was ändern? Kaum. Jetzt sind alle aufgebracht, in 8 Wochen wird Otto Normalkonsument wieder in den Discounter um die Ecke stürmen um dort das Rindfleisch im Wochenangebot zu kaufen. Und er wird sich wieder freuen, dass er die 5 Euro pro Kilo im Vergleich zum Bauern- oder Bioladen gespart hat. Geiz ist eben nicht immer Geil, manchmal bedeutet er auch Gammel. So schauts aus.
Francophobie
10/9/2006 | Roman
Auch wenn die Franzosen besser kochen als die Engländer, war mir die Francophonie nicht wirklich in die Wiege gelegt. Ich bin seit je her Fan der Deutschen und der Englischen Sprache, auch wenn mich die neue, neue deutsche Rechtschreibung doch sehr verwirrt (Strom sparend aber energiesparend?… ). Aber das wäre ein eigenes Thema wert, also lassen wir das fürs Erste (schon Gross geschrieben oder?).
Blicken wir in die Vergangenheit: Als ich feierlich im St. Johan in Schaffhausen meine Matur entgegennahm und am abschliessenden Apero nach 2 oder 3 Gläsern gutem Wein meine Französischlehrerin traf, sagte ich im jugendtlichem Trotz: ”Das nächste Mal, wenn ich nach Frankreich gehen würde, würde ich bewusst Englisch reden.”
Ich mein, ich hätte nie gedacht, dass ich dazu wirklich je die Gelegenheit haben würde. Aber Heute Abend fahre ich – seit 5 Jahren das erste Mal – wieder in Richtung Frankreich. Und tatsächlich werde ich da von Morgens Früh bis Abends Spät gezwungenermassen Englisch reden…
Aber – surprise, surprise – ich werde wohl trotzdem bewusst im Hotel selbst Französisch reden. Zuvorkommendermassen und natürlich auch als Übung. Jetzt lässt sich natürlich wunderbar darüber philosophieren, ob das die neu hinzugewonnene Weisheit sei oder eher immernoch der jugendtliche Trotz..
Informationsverbreitung
3/9/2006 | Roman
Es ist schon erstaunlich, welche Wege Informationen nehmen können. Ich habe hier den Namen meines Arbeitgebers bisher nicht genannt, aber anscheinend ist es Common Knowledge. So war ich sehr verwundert, als ich die letzten zwei Kommentare im Blog gelesen habe, da ich keine Ahnung habe, wie diese zu der Information gekommen sind.
Ich bin ja niemandem Böse, dass er irgendwas gesagt hat. Es war ja auch nie als Geheimnis gedacht, wo ich arbeite, im Gegenteil. Ich bin stolz, bei einem solch renommierten und erfolgreichen Unternehmen mitarbeiten zu können. Es ist rein die akademische Neugier, welche Wege die Information genommen hat. Vielleicht ist jemand so frei und äussert sich in den Kommentaren dazu?
Aber da es eh raus ist, kann ich diesmal das Ganze proaktiv kommunizieren. Ich arbeite tatsächlich bei der PricewaterhouseCoopers Zürich, im Bereich Wirtschaftsberatung. Kurz am Rande: Das w in PwC wird absichtlich klein geschrieben. Heisst ja auch PricewaterhouseCoopers und nicht PriceWaterhouseCoopers.

