Kathrina meets Nürnberg

11/6/2006 | Roman

Ich hab diese Woche einige Reflexionen zum Rock im Park versprochen. Naja, die Zeit war knapp, aber für Eine hat sie gereicht, genauergesagt für diese.
Vielleicht hat jemand ein wenig Anfangs Woche die Boulevard Nachrichten im TV verfolgt. So von wegen “der Tag danach”. Oder wie ichs nenne “Kathrina reloaded” in Anlehnung an New Orleans. Der hat sicher einen guten Eindruck, worauf ich hinaus will: In New Orleans ging die Stadt in Fluten von Wassern, in Nürnberg in Müll und Chaos unter.
Dazu vielleicht eine kleine Vorinformation: Das Festival findet ja “im Park” statt und das ist mehr oder minder ernst gemeint. Genauergesagt im Reichsparteitagsgelände von Hitler himself ausgedacht. Und nachdem das Ganze ein Jahrzehntlang als Müllhalde diente (vorallem der Silbersee, der heute noch toxisch ist) entstand da ein wunderschöner Park. Und das macht einerseits auch die Stimmung des Festivals aus, andererseits fragt sich der normaldenkende Mensch: Wieso wird jedes Jahr – Hitlers Niedergang zum Trotz – dieses wunderbare Gelände wieder zum Schlachtfeld degradiert?

Und das ist nicht übertrieben. Spätestens ab Freitag Mittag wandelt und lebt man im Müll (am Sonntag gibts ein kleines Sauberkeitshoch – viele geben da ihren Müllsack ab) und am Montag “danach” siehts desaströs aus. Kurz und gut zusammengefasst: Würde Rock im Park mehr als 1 Woche dauern, würd die Cholera ausbrechen. Guggst du:

Muellberg

Schöner Anblick, gell. Aber das ginge ja noch. Wirklich. Ich mein ok, wir Schweizer sind Sauberkeitsfanatiker, aber man gewöhnt sich recht schnell an die “Wegwerf”-Kultur und wird selbst ein Teil davon. Ist auch kein Wunder, wenn zwar Müllsäcke an die Besucher verteilt werden, die aber bei der Rückgabe oft um ihr gezahltes Pfand gebracht (siehe parkrocker.net Thread) und zusätzlich sonst keine grossen Abfallbehälter – weder am Zeltplatz, noch an den Bühnen und dem Weg dorthin – platziert wurden.

Was ich persönlich viel schlimmer fand waren die zahlreichen Kiddies: Die “ich bin das erste mal ohne Mamma in den Ferien und drum mach ich alles doofe”-Teenager. Wir waren ja alle mal Jung und hatten unseren ersten Vollrausch in einem Alter, in denen der Gesetzgeber und das blaue Kreuz alles andere als Freude hätten. Trotzdem kam ich nie auf die Idee, mein eigenes Zelt anzuzünden. Oder ans Nachbarzelt mein – bereits verdautes oder vom Magen verweigertes – Essen aus dem Körper zu befördern. Oder Eigentum anderer Zelter zusammenzuklauen. Oder sogar das Zelt der Nachbarn zu verbrennen. Oder die Dixi-Klos anzuzünden.

2003 war mein erstes Rock im Park und da war die Stimmung weit friedlicher. Gesoffen wurde nicht weniger, aber die Zerstörungswut erreichte dieses Jahr Rekordniveau. Auch hier muss sich der Veranstalter an die Nase fassen: Vor dem Festival werden zwar rigorose Vorschriften gemacht (kein Glas, keine Gasflaschen etc.), welche aber nicht durchgesetzt werden, da an den Eingängen die Hälfte der Leute kaum oder gar nicht kontrolliert wurden. Besoffene mit 3,0 Promille an einer 20kg Gasflasche hantieren zu lassen, erhöht nicht gerade das Sicherheitsbefinden auf dem Platz. Die fehlenden Kontrollen hätten die Securitas vielleicht durch erhöhte Kontrollen am Platz wieder wettmachen können, aber genau dort glänzten sie durch Abwesenheit. Insbesondere an der Nacht auf Montag – an denen die schlimmsten Ausschreitungen waren – sah man kaum einen Securitas ausserhalb des Bühnenbereichs. Dass dann – gepaart mit fehlender Zivilcourage – Dixis und Zelte brennen, erstaunt wirklich nicht.

Mein Fazit: Ich bin zu alt für das. So macht Campen keinen Spass. An anderen Festivals wars oft recht chillig, vor dem Zelt hocken, Bier trinken, ein wenig Schabernack treiben und eine schöne Zeit haben. Aber so.. nein, echt nicht mehr. Entweder ich lass Rock im Park in der zukünftigen Festivalplanung beiseite oder aber ich übernacht im Hotel. Dann werd ich zwar auch um mein obligatorisches Müllpfand gebracht, aber wenigstens muss ich keine Angst haben, dass ich in die Luft fliege oder mein Hab und Gut verbrannt wird.

Ähnliche Beiträge

2 Kommentare zu “Kathrina meets Nürnberg”

  1. Kommentar von Ela13:

    Respekt für Deinen Text.
    Besser hätte man es nicht ausdrücken können.
    Geht mit meiner persönlichen Meinung total konform !

    Liebe Grüße
    Ela13

  2. Kommentar von Lukas:

    Nächstes Jahr schlepp ich dich ans Swedenrock mit :-) Da gibt’s diese Probleme trotz 15′000 komatöser Schweden + 10′000 weiteren Besuchern nämlich nicht.

Einen Kommentar hinterlassen: