Fragezeichen

15/5/2006 | Roman

Ich bin ja nicht selten über die Gesellschaft erstaunt. Aber manchmal ist es auch mir zuviel. Da hab ich also unsere Wohnung auf homegate ausgeschrieben, damit wir einen Nachmieter finden.

Nun, was wir alles erlebt haben, das passt kaum auf eine Kuhhaut. Da war zum Beispiel diese Frau, die ernsthaft verlangte, dass die (Privat-)Terasse vom Hauswart gereinigt werden sollte und diese Wohnung viel zu überteuert sei. Wer die Preise in der Aarauer Altstadt kennt, weiss, dass da auch 200 CHF Aufpreis pro Monat lockerst drin liegen würden.

Aber das war nur der harmlose Anfang. Sehr geil fand ich ja die Frau, die kam, sich die ganze Wohnung zeigen lies und dabei nicht Müde wurde, alle 90 Sekunden ihre geile 150 m2 Attika Wohnung in Basel zu erwähnen, die sie gegen unsere Wohnung austauschen müsste. Als wär unsere Wohnung n Drecksloch. Aber die trieb es noch weiter: Sie hätte 3 Monate Kündigsfrist, sie würd sich also bereiterklären, so ab September rein zu gehen. Da stellt sich wirklich die Frage: Frau, hast du das Inserat wirklich gelesen oder warum kommst du überhaupt vorbei und machst uns die Mühe?

Allgemein scheint das grad im Trend zu sein, entweder das Inserate nur zu überfliegen, gekonnt dessen Inhalt zu ignorieren oder in einer Selbstverständlichkeit der Gegenpartei die Vertragsbedingungen diktieren zu wollen. Klar, 3 Monate Kündigungsfrist ist halt vorgeschrieben, aber dann stellt sich die Frage, wieso man überhaupt bei einem Inserat, dass kürzer gelagert ist, sich bewerben und noch am besten die ganze Wohnung gezeigt bekommen möchte. Hatte dazu knapp 20-30 Anfragen, davon waren 90% im arroganten, überheblichen Ton.

Aber es geht ja noch weiter. Gross und breit steht im Inserat die Kontaktnummer zur Besichtung. Trotzdem krieg ich alle 1-2 Stunden ein Mail rein, wo eine Besichtigung gewünscht wird. Wiederum mit Wunsch der Kontaktaufnahme per Natel. Natürlich, mein Tag besteht darin, potentiellen Nachmietern nachzurennen, denn schliesslich ist es ja meine Bringschuld, sie zur Besichtigung zu treiben..

Nun ja, zum Glück gibts auch vernünftige Menschen. Selten, aber doch. Und von den 12 Leuten, die bisher die Wohnung angesehen haben, wollen sie nun 5 definitiv haben. Auf den 1. Juni sogar. Aber trotzdem die Lehre aus der ganzen Sache: Werde nie Vermieter…

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3 Kommentare zu “Fragezeichen”

  1. Kommentar von Jeanine:

    ach komm, du darfst dir einfach nur die netten in erinnerung behalten :) und von denen hatte es ja mehr als genug :)

  2. Kommentar von gfc:

    Eines meiner Highlights:

    Ich habe dieses Inserat gelesen und würde mich auf einen Besichtigungstermin sehr freuen. Da ich aber bei meiner jetzigen Wohnung erst per Ende Juni kündigen kann (unter Einhaltung der 3-monatigen Kündigungsfrist), könnte ich somit diese Whg erst per 1.Oktober beziehen. Falls dies ein Problem darstellen sollte, so bitte ich Sie mir dies mitzuteilen. Besten Dank.

    hehehehe

  3. Kommentar von Andreas:

    Die Lehre sollte wohl eher heissen: “Vermeide jede Kommunikation mit Fremden”. Insbesondere im Arbeitsleben trifft man ja jede Menge Leute, die nichts überlegen.

    In dem Sinn: Viel Spass beim Aufregen im weiteren Leben. :)

    PS. “Ich bin ja nicht selten über die Gesellschaft erstaunt. ” –> das ist aber zu 100% ironisch gemeint, oder? Siehe frühere Uniboard-Einträge etc. hehehe

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