Rückschritt

Ich dachte bisher, Europa sei die “Festung der Aufklärung”. Und auch wenn ich mich Christ schimpfe, so bin ich alles andere als Kreatonist, sondern gehöre zu den Anhängern der theistischen Evolutionslehre (wem das nichts sagt: Wikipedia) und auch sonst ein – wenn auch kritischer – Fan der Wissenschaft.
Insofern bin ich per Definition nicht für Kreationismus zu begeistern, im Gegenteil, ich sehe es als grossen Rückschritt an. Wenn ich Dokumentationen sehe, wo der Lehrer den Biologie-Unterricht im Zoo abhält und den Kindern erklärt, dass Zebra hätte die Streifen “damit sie den Menschen besser gefallen”, anstatt als Schutz vor Raubtieren, dann wird mir mulmig zumute..

Aber anscheinend bröckelt auch in Europa die Mauer der Säkularisierung des Staates:

Der Kreationismus, der in den USA für Konflikte zwischen Forschern und Gottesfürchtigen sorgt, wird auch in Großbritannien populärer. Einer Umfrage zufolge glaubt nicht einmal jeder zweite Brite an die Evolution, mehr als 40 Prozent wünschen Kreationismus im Biologie-Unterricht.

Quelle und der Rest des Artikels

Man verstehe mich richtig: Es wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn Kreationismus neben Evolutionslehre einen Platz finden würde. Es wäre ja so oder so zu begrüssen, wenn an den Schulen zu den gängigen Theorien auch differenziertere Betrachtungen gelehrt werden würden (mir hat man im Wirtschaftsunterricht des Gymnasiums noch Keynes als einzige Wahrheit verkaufen wollen). Aber genau hier liegt der Hund begraben: Kreationisten widersetzen sich der Falsifizierbarkeit ihrer Ansicht und damit sind sie – nach Karl Poppers Definition – keine Wissenschaft, sondern fundamentalistisch. Und hierin sehe ich auch die Gefahr, die für die jetzige Gesellschaft ausgeht, denn Fundamentalismus war noch nie ein guter Nährboden für Stabilität, Pazifismus und Minderheitenschutz.

Und wenn alle Stricke reissen, bleibt einem immernoch die Emigration nach Polynesien ;)

4 Comments

  1. Jeanine
    Posted 28/1/2006 at 10:58 | Permalink

    an die schöpfungslehre zu glauben, wie sie in der bibel/thora erläutert wird, hat ja auch nichts mit wissenschaft zu tun. muss es auch nicht.
    dass an schulen nur wissenschaft unterrichtet werden soll, sehe ich nicht (du malst ja auch bilder, nicht sehr wissenschaftlich und anscheinend dennoch sehr wertvoll für die entwicklung).
    das “nebeneinander” habe ich teilweise in der kanti gehabt – allerdings eher um die parallelen aufzuzeigen von evolutionstheorie und schöfpungslehre. ich fand das einen guten ansatz; was jeder einzelne schlussendlich als richtig annimmt, soll er selber entscheiden.

  2. Posted 29/1/2006 at 16:50 | Permalink

    Also die Kreationisten sind ja schon merkwürdig, aber viel schlimmer sind doch die Leute vom Intelligent Design. Diese berufen sich darauf, wissenschaftlich zu sein und bestreiten sogar einen Teil der Thesen der Kreationisten…
    Die Leute vom ID sind demnach der Ansicht, sie könnten die Geschichten/Lehren der Bibel durch wiss. Fakten vollständig erklären…
    Auch versuchen sie die Naturwiss. in eine Dikussion zu ziehen, die ihnen dann wiederum zu einem wiss. Anstrich verhelfen würde!
    Liebe Grüße
    Jan

  3. Posted 31/1/2006 at 14:16 | Permalink

    Ein manueller Trackback:

    “(…) Ein einziger Beitrag, interessanterweise stammt er von jemandem der, sich offen zum Christentum bekennt, bemerkt, dass es „ja so oder so zu begrüssen, wenn an den Schulen zu den gängigen Theorien auch differenziertere Betrachtungen gelehrt werden würden“. Mir macht es überhaupt keinen Spass, dem Kreationismus oder dem Intelligent Design oder wie auch immer die vielen häretischen Theorien in der Biologie heißen, zur Seite zur springen…”

    http://axonas.twoday.net/stories/1491789/

  4. Posted 31/1/2006 at 15:20 | Permalink

    So sehe ich das auch, wenn dann muss es nebeneinander behandelt werden, es sollte weder der Glaube noch eine rein wissenschaftliche Ansicht der Dinge im Vordergrund stehen. Das wichtigste ist das vermitteln von Wissen, nicht das Beeinflussen von Kindern und Jugendlichen in irgend eine Richtung (was meiner Meinung nach in den Schulen noch zu oft vorkommt)
    siehe meinen Beitrag