VWL-Sieb

Wie der aufmerksame Leser bemerkt hat, hab ich dieses Jahr sowohl die Wiederholungsprüfung für Fortgeschrittene Makro 1 wie auch Fortgeschrittene Mikro 2 geschrieben. Und heute bin ich mal hingehockt und hab die Ergebnisse mal ein wenig ins Excel eingegeben. Nun ja, ich war milder gesagt ein wenig geschockt, aber seht selber:

noten

Nur zur Erinnerung: Wir reden hier von Hauptstudiumsprüfungen. Und Handgelenk mal Pi fielen bei diesen Prüfungen 45% der Leute durch und der Schnitt war deutlich unter 4.

Bisher kannte man solche harten Ergebnisse nur aus Vorprüfungen, wo sie klar dem “Aussieben” dienten. Nun fängt das anscheinend auch im Hauptstudium an, sind doch die zwei genannten Fächer Pflicht für die Schwerpunkte Finance und VWL.

Nun stellt sich die Frage: Warum? Warum wird eine Prüfung dermassen hart benotet? Sind die Studenten dümmer geworden? Oder sind die Prüfungen einfach unverhältnismässig?

Ich tippe auf Zweiteres. Mag daran liegen, dass ich die Prüfungen selber geschrieben habe. ;) Die Prüfungen fragten in meinen Augen das Verständnis nur ganz knapp am Rande ab. Prüfungsgewinner war nicht, wer verstand, was er tat, sondern schlicht und ergreifend, wer alle Formeln und mathematischen Umformungstricks ins Hirn geschauffelt hat und dazu die Übungen bis zum Kotzen immer und immer wieder durchgerechnet hat. Oder anders gesagt: Ein Mathematik-Student im fortgeschrittenen Studium hätte diese Prüfung problemlos bestanden, auch wenn er keinerlei Ahnung von irgendwelchen volkswirtschaftlichen Theorien besässe.

Trotzdem frage ich mich nach der Motivation, um solche Prüfungen zu erstellen.. Ehrgeiz? Suche nach Reputation, in dem man einfach möglichst viele Studenten durchrasseln lässt? Schickane? Oder vielleicht doch nur Zufall…

Man weiss es nicht so genau…

PS: Ich hab gar nicht so schlecht bestanden, bevor mir hier jemand Frust vorwirft. Für mich sind die zwei VWL-Fächer schlicht und einfach Zwang und insofern bin ich einfach nur glücklich, das ganze schnellstmöglich hinter mich zu bringen.. Fortgeschrittene Mikro 1 war ja sehr spannend, Spieltheorie macht spass, aber von hickscher Nachfrage in die implizite rumzurechnen und in der Makro mehrfache Ableitungen von komplexen impliziten Funktionen zu machen, find ich nicht sehr faszinierend..

19 Comments

  1. galahad
    Posted 23/12/2005 at 1:36 | Permalink

    Die Prüfung fg. Mikro 2 letztes Semester war sehr einfach (wenn ich Prüfer gewesen wäre, dann hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken Beweise abgefragt).

    Die Prüfung zu fg. Makro 1 letztes Semester war ebenfalls sehr einfach (dass ich nicht lache, wenn man die PPP verstanden hatte kriegte man sogar noch Punkte… Ein Wunder dass sie nicht noch für das korrekte Hinschreiben des Nachnamens Punkte verteilt haben. Ich hätte Wechselkursmodelle rechnen und Phasendiagramme zeichnen lassen und dann noch intuitive Fragen à la Föllmi gebracht).

    Sorry, ist immer das gleiche Theater. Übungen machen und Vorlesung verstehen, dann klappts auch mit der Prüfung. Das Problem ist eben etwas, dass im Grundstudium nicht alle faulen Äpfel ausgesiebt wurden, deshalb muss man offenbar halt danach etwas nachfiltern. Wer den Pöbel in den entsprechenden Vorlesungen gesehen hat, weiss wovon ich spreche. Und das Argument mit “zu hart” greift sehr kurz: Uni ist Uni bleibt Uni. Wem das nicht passt, der soll doch an die FH. Dort gibts Eisenhut-VWL. Irgendwo muss man von den Studenten ein mininales Verständnis für den Stoff erwarten können, sonst führt das in komplexeren Vorlesungen als so BWL-Zeugs zu rein gar nichts. Im Übrigen sollte man endlich die Regel einführen, dass wer an einer Prüfung 2mal erfolglos angetreten ist, nicht nocheinmal zugelassen wird. Ich finde es mehr als unwürdig für eine Uni, dass man notorischen Nitwits auch noch weiss ich wie viele Chancen gibt.

  2. Gambollputty
    Posted 23/12/2005 at 1:46 | Permalink

    ich tippe darauf die Studenten werden immer dümmer. Können keine Formeln und Umformungstricks ins Hirn schaufeln und sind zu Fual die übungen anzuschauen. Oder anders gesagt; es werden Philosophie Prüfungen erwartet, bei denen man nichts lernen muss, sondern einfach argumentieren darf. Und dannach motzen die faulen Studenten wieder, und lassen sich über vermeintlich schlechte Vorlesungen, Uni-Organisationen und sonstiges im direkten Umfeld aus.

  3. Roman
    Posted 23/12/2005 at 1:57 | Permalink

    Mathematische Modelle sind tiptop, sie erfüllen sogar den Zweck, das ganze auf ein sinnvolles Niveau zu abstrahieren. Auch dass die dazugehörigen Beweise verstanden werden sollten. Alles tipptopp.

    Aber wenn eine Prüfung zu 95% der Zeit fürs Umformen und mathematische Vereinfachen einrechnet, dann sehe ich – so leid es mir tut – keinerlei Lerneffekt.

    So Prüfungen fördern doch nicht das Verständnis der Studenten, noch sondern sie “faule Äpfel” aus. Nein, sie begünstigen lediglich fähige Auswendiglerner. Ich behaupte, die Prüfung besteht jeder, der einfach die Übungen auswendig lernt, ohne auch nur ein bisschen die zugrundeliegenden Gedanken der Theorie verstanden zu haben. Einfach das Schema-F anwenden und gut ist.

    Und genau SO was erwart ich nicht an einer Uni. Studieren sollte nicht NUR eine “Fleiss-Arbeit” sein.

  4. Steven
    Posted 23/12/2005 at 3:10 | Permalink

    Im Uniboard hast mal danach geschrieben (und zwar hier: http://www.uniboard.ch/threads/6311/), dass die Prüfungen zu einfach sind.

    Und jetzt, wo es mal etwas härter ist, kritisierst du das auch wieder. Soory, aber mal so und mal so – ist auch nicht gerade kosequent! Im besagten Thread zweifelst du an der Uni weil zu einfach, jetzt zweifelst du an der Uni weil zu schwer. Müssta man jetzt nicht an denen Aussagen/glaubwürdigkeit zweifeln?

  5. galahad
    Posted 23/12/2005 at 15:07 | Permalink

    Um die Beweise zu verstehen, muss man umformen können. Wer nicht umformen kann, kann nicht beweisen.

  6. Roman
    Posted 23/12/2005 at 15:22 | Permalink

    @Steven: Eigentlich habe ich es oben falsch ausgedrückt. Die Prüfungen sind per se nicht zu hart. Das Problem ist ein anderes. Die Prüfungen sind – verglichen mit den zur Verfügung stehenden Unterlagen und Betreuung – einfach unverhältnismässig.

    Volkart oder Conny Meyer sind gegenbeispiele. Auch diese Prüfungen sind nicht einfach, aber dort hat man
    a) hervorragende Unterlagen
    b) die Fähigkeit, eine Prüfung zu schreiben, die den Stoff auch wiedergibt
    c) den Mut, auch eine 6 zu verteilen, wenn sie berechtigt ist.

  7. Roman
    Posted 23/12/2005 at 15:32 | Permalink

    btw Steven: wenn du Uniboard Links reinschreibst, solltest du dir im klaren sein, dass ich sie nicht lese. Ich habe weder einen Account, noch habe ich vor, einen zu eröffnen.

  8. galahad
    Posted 23/12/2005 at 15:38 | Permalink

    [Volkart oder Conny Meyer]

    Das ist Zürioberländer-Niveau. An einer Uni stehen auf den relevanten Zeitschriften andere Dinge. Meyer und Volkart gehören sowieso an eine FH. Forschen die eigentlich auch noch über etwas anderes, als wo sie sich das nächste Verwaltungsratsmandätli unter die Nägel reissen können?

    [hervorragende Unterlagen]

    wtf? Falkis Skript letztes Semester war schwer in Ordnung. Und der Jehle-Reny ist auch relativ gut. Sonst steht es jedem Studi frei (und es ist im Übrigen auch seine heilige Pflicht!) andere Quellen zu erschliessen. Wer dazu nicht gewillt ist, der verdient es gar nicht, an die Prüfung nur schon zugelassen zu werden.

  9. Hanswalter Thalparpan
    Posted 23/12/2005 at 16:58 | Permalink

    Ich empfinde es als nötig, ceteris paribus und mutatis mutandis eine starke Siebwirkung ex definitione und per definitionem als gesund zu betrachten. Ohne formale Konzepte aus der fortgeschrittenen Volkswirtschaftslehre wäre mancher Absolvent der Universität einem Fachhochschüler gleichgestellt.

    Dies würde dann bedeuten, dass auch Fachhochschüler schon während ihres Studiums einen Lohn von nicht weniger als 150% eines durchschnittlichen Absolventenlohns verdienten. Dies kann nicht mit wissenschaftlichen Interessen vereinbart werden.

    Diese “Schlagmichtot”-Ökonomie, welche hier vorgelebt wird, hat einige zentrale Schwachstellen. Sie vernachlässigt unter anderem, dass gewisse Leute einen “Saich” rauslassen und dann Leute, welche von Ökonomie nichts verstehen, diesen falschen Aussagen Glauben schenken.

  10. völkswirt
    Posted 23/12/2005 at 18:27 | Permalink

    Ich habe die FG Makro im 4. Semester geschrieben und ziemlich gut bestanden. Der Grund:
    1. Es war interessant, wirklich. Prinzipielle Intuitionen fanden Eingang in mein Gehirn, die mich wiedermal so richtig motiviert haben. Für solche Sachen studier ich. Damit ich komplexe Zusammenhänge erfassen, interpretieren und aufzeigen kann.
    2. Die Prüfung war echt fair. Es kam das, was in der Vorlesung behandelt und in den Übungen durchgemacht wurde. Von mir aus hätte man gerne weiter gehen können.
    3. Die Unterlagen waren echt brauchbar in jeder Hinsicht. Kann ich von CF nicht behaupten.

    Ich möchte niemandem Unfähigkeit oder Ähnliches unterstellen, und ich weiss, dass man bei Desinteresse deutlich schlechter lernt, hier könnte ev verstärkende Wirkung vorliegen. Aber am Schwierigkeitsgrad kanns definitiv nicht liegen, eher an fehlender Leistungsbereitschaft.

  11. Steven
    Posted 24/12/2005 at 16:45 | Permalink

    Jaja, du liest dort nichts. Sorry, einmal zu lau,e inmal zu hart, auweia. Deshalb hier DEINE Worte:

    Quote Roman:
    Titel: APS = Schoggistudium

    So, muss mal wieder eine Grundsatz-Diskussion anregen.

    Ich hatte aus persönlichen Gründen dieses Semester nicht wirklich viel Zeit an der Uni verbracht geschweige denn ich hätte es zu Hause nachgearbeitet.

    Jetzt hab ich vor jeder Prüfung netto so ca 5-10 h lang gelernt. Nicht Hardcore-Büffeln. Eher so easy learning. Das Fazit der bisherigen Noten: Pendeln zwischen 4.5-5.25

    Krasses Beispiel: Performance Measurement and Control: Ich war genau 3 h anwesend (eigentlich wären es 4h pro Woche), hab das Script gelesen und 2 mal die Übungen gemacht und für so ne minimalistische Leistung krieg ich echt 6 APS Punkte.

    Kanns das sein? Langsam verlier ich jeglichen Respekt vor unserem Abschluss. Die einzige Herausforderung dieses Semester wäre die fortgeschr. Makro gewesen. Die Vorlesung, die ich absagen musste, weil sie eben als einzige ohne Anwesenheit und Mitarbeit nicht bestehbar ist.

    Kanns das sein? Ist das der Sinn einer akademischen Ausbildung? Siegt das Minimum-Prinzip? Oder aber bin ich einfach die Effizienz in Person?

  12. Roman
    Posted 24/12/2005 at 18:43 | Permalink

    hehe.. jetzt wirds aber abstrus. Also, nochmals von vorne:

    1) Lies den Titel des obigen Posts (könnte VWL-Sieb sein.)
    2) Lies meinen Beitrag aus dem uniboard (tipp, es ist ist von Performance Measurement Control die Rede)
    3) Bemerke, dass PMC nicht VWL ist.
    4) Denk nochmals drüber nach ;)

    Vielleicht wirst du feststellen, dass du Äpfel mit Birnen vergleichst. Oder anders rum: Was bittesehr hat eine Prüfung, die am Thema vorbei geht und darum einfach hart korrigiert wird, mit der Härte des Studiums zu tun?

    Eine Ähnlichkeit haben aber die VWL Fächer mit der angesprochenen PMC Prüfung: Deine Note hängt nicht mir der Vorlesung zusammen.

  13. Posted 27/12/2005 at 11:24 | Permalink

    Sehr geehrter Herr Urnaut

    Mit grosser Verwunderung muss ich feststellen, dass mein zur Kritik anregender Beitrag verschwunden ist.

    Warum zensieren Sie das Blog von Ihnen?

    Mit Bitte um Antwort.

  14. STEVEN
    Posted 27/12/2005 at 12:17 | Permalink

    Du kannst schon sagen, dass ich Äpfel mit Birnen vergleiche, aber LIES doch mal DEIN Post von damals. Im Titel schreibst du: APS=Schoggistudium. Also hast du das generalisiert und überhaupt nicht nur auf PMC bezogen! PMC hast du nur als Beispiel aufgeführt (ja, das Wort Beispiel hast du selber verwendet :)

    Einmal beklagst du dich pauschal, dass APS=Schoggistudium (und erwähnst PMC als Beispiel) und nun beklagst du dich über zu harte VWL-Fächer. Jaja, du musst es ja wissen

    Wenn man so viel schreibt, holt einem die Vergang.. ähhh das Geschriebene irgendwann wieder ein. Denk mal ernsthaft darüber nach wie die beiden Aussagen zueinander stehen und schreibe nicht, dass sie nicht vergleichbar seien…

  15. Roman
    Posted 27/12/2005 at 12:20 | Permalink

    Quentin, dieses Blog dient nicht zur Diskussion , sondern ist eine Publikation für unseren Freundes- und Bekanntenkreis. Und genau für diese Zielgruppe ist auch die Comment-Funktion gedacht. Wenn du nun einen Ort suchst, wo du deine Polemik und Angrifflust loswerden kannst, bist du hier definitiv an der falschen Adresse. Vielleicht lernst es auch du noch: Life’s a bitch

    @Steven: Du stellst hohe Ansprüche an die Leute. Vorallem in Sachen Meinungskonsistenz und Ausdrucksformen im Internet. Ich bin auch nur Hobby-Schreiber und dementsprechend vor zweideutigen Aussagen nicht ganz gefeit. Und auch bei aller Liebe zur Konsequenz sind Meinungen auch nicht in Stein gemeisselt. Der Uni-Board Beitrag ist nun doch mehr als ein Jahr her. Schlussendlich aber bleibt die Meinung in den Festen dieselbe: Die Uni-Prüfungen haben an sich keine Aussagekraft. Du kannst mit 3h Lernen 6 Punkte holen mit ner guten Note und ohne Vorlesung (wie ich in PMC) oder aber auch trotz 3 Wochen lernen durch eine Prüfung fallen. Unter dem Strich aber bin ich enttäuscht von Hauptstudium. Klar hat es mir ermöglicht, nebenher zu arbeiten, aber ich hatte einfach höhere Erwartungen.

  16. Jeanine
    Posted 27/12/2005 at 12:37 | Permalink

    “dieses Blog dient nicht zur Diskussion , sondern ist eine Publikation für unseren Freundes- und Bekanntenkreis.”

    und genau aus diesem grund entscheiden roman und ich jeweils, ob ein comment rein soll oder nicht. als herrscher des buttons sozusagen :D

  17. galahad
    Posted 27/12/2005 at 12:53 | Permalink

    Also bitteschön, man kann sich ein sehr hübsches Programm fürs Hauptstudium zusammenstellen, wo man dann schon eher gefordert ist. Das ist ja grad das schöne in Zürich, man kann es sich selbst zusammenstellen (bis auf die paar Pflichtfächer). Dass die Uni Zürich mit VWL siebt, ist seit VWL1 hoffentlich jedem Studi bekannt.

  18. Posted 27/12/2005 at 13:11 | Permalink

    Können Sie mal Ihren Notenbescheid offenlegen? Mich nimmt wunder, in welcher Gegend Sie notenmässig sind.

  19. martin
    Posted 27/12/2005 at 18:47 | Permalink

    Aaalso: die FG Makro 1 vom letzten Sommer war ziemlich daneben, in diesem Punkt muss ich Roman recht geben. 34 der 50 Punkte konnten gemacht werden, indem die Übungen 1zu1 hingeschrieben wurden (Nein, man musste überhaupt nichts verstehen oder umformen, wie einige Vorschreiber das behauptet haben, sondern einfach die Übungen auswendig können. Nächstes Mal schicke ich meine Freundin, dafür stehe ich für sie an ihren Arbeitsplatz im Coiffeursalon). Das ist nicht Uniniveau, zum Glück habe ich in der Vorbereitungsphase schon vermutet, dass der Falkie halt eben auch nicht besser ist als die meisten anderen. Und von seinem harten und mutigen Übungsjünger sprich ich lieber nicht.

    Die VL an sich fand ich echt gut, da habe ich viel profitieren können, aber die Übung war daneben. Um vom OHP abzuschreiben, braucht man einfach nicht an die Uni zu gehen. Die würden besser die Mulö aufs Netz stellen und dann in der Übung besprechen, damit die Übung den Namen Übung verdient und nicht so wie jetzt “Abschreibung”.